Milan: der absturz einer macht – was ist nur geschehen?
Es ist kaum zu fassen, was mit dem AC Milan geschieht. Nur wenige Wochen – oder gar Monate – ist die Euphosie groß gewesen, der Titelkampf ernst genommen. Doch jetzt droht ein Abgrund, der tiefer und dunkler nicht sein könnte. Der einst so gefürchtete Rivale ist zu einer bloßen Schatten seiner selbst verkommen, und die Frage brennt: Wo liegt der Grund für diesen dramatischen Fall?
Die achterbahnfahrt der punkte
Nach 33 Spieltagen lag der Milan noch acht Punkte vor seinen Verfolgern. Ein Polster, das als nahezu unüberwindbar galt. Doch diese trügerische Sicherheit ist wie ein Kartenhaus im Wind zerfallen. In den darauffolgenden vier Spielen schaffte es die Roma, den Rückstand aufzuholen und gleichzuziehen. Der Ponte levatoio ist gefallen, und der Milan steht vor dem Aus.
Die Fakten liegen auf dem Tisch: In den letzten zwei Spielen gelang es dem Team schlichtweg nicht, ein Tor zu erzielen, während fünf Gegentore die eigene Abwehrschwäche offenbarten. Und das gegen Gegner, die keineswegs als besonders hungrig galten. Es ist nicht mehr die Frage, ob es Probleme gibt, sondern ob überhaupt noch eine Mannschaft auf dem Platz steht.
Der Vergleich der Hin- und Rückrunde ist erschreckend. 42 Punkte in der ersten Hälfte der Saison, im Vergleich zu mageren 25 in der zweiten. Ein kolossaler Einbruch, der weit mehr als nur ein Nachlassen darstellt. Der Derby-Verlust gegen die Lazio markierte den Beginn des freien Falls. Seitdem folgten fünf Niederlagen in acht Spielen – ein beunruhigendes Muster.

Die mentale blockade und die physischen grenzen
Die Ursachen sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor ist der Verlust an Dynamik und Intensität im Spiel. Die Laufbereitschaft ist spürbar zurückgegangen. Trainer Allegri betonte zwar die Bedeutung des Aspekts mentale Stärke, doch die Realität sieht anders aus: Wenn der Ballführende den Kopf hebt und neun starrsinnige Mitspieler auf ihren Positionen verharren sieht, muss man auch die körperliche Verfassung hinterfragen. Saelemaekers scheint ohne Luft zu spielen, Leao wird von Pubalgie geplagt, und auch in der Mitte wirkt die Ermüdung deutlich. Pulisic, der normalerweise für seine unermüdliche Laufbereitschaft bekannt ist, verliert in den entscheidenden Momenten die Klarheit.
Lag es an einer unzureichenden Vorbereitung über das gesamte Jahr hinweg? Oder ist es das Resultat der fehlenden Belastung durch Wettbewerbe wie die Champions League? Der Verzicht auf diese sollte ein Vorteil gewesen sein – ein Vorteil, der sich jedoch als trügerisch herausstellte. Eine zu kleine, numerisch unterbesetzte Mannschaft, in der die Reservisten selten das Niveau der Stammspieler erreichen, führt dazu, dass immer wieder dieselben 14-15 Spieler auf dem Platz stehen. Der Wettbewerb fehlt, die Frische schwindet.

Der kopf spielt einem streich
Doch nicht nur die physische Verfassung ist schuld. Es scheint, als ob die Mannschaft nach der Niederlage gegen die Lazio die Segel gestrichen hätte. Die Hoffnung auf den Scudetto ist verflogen, und der Fokus scheint sich nun auf die Qualifikation für die Champions League zu verlagern. Doch dieser Wechsel hat eine alarmierende Entwicklung ausgelöst: Der Milan ist von einem ambitionierten Herausforderer zu einem glücklichen Mitläufer mutiert, ohne jegliche Zwischenstufe.
Die einst so offensive Spielweise ist einer trägen, horizontalen Ballzirkulation in den eigenen Reihen gewichen. Die einstigen Räume sind verschwunden, die einst so genialen Pässe bleiben aus. Die Offensive ist blockiert, die Angreifer kraftlos. Die Atmosphäre im Umfeld des Vereins hat sich weiter verschlechtert und trägt zusätzlich zur Demotivation bei.
Die Wahrheit ist brutal: Der AC Milan hat das Potenzial, eine europäische Spitzenmannschaft zu sein. Doch im Moment ist er weit davon entfernt. Es gilt, die Ursachen für diesen Absturz zu analysieren und schnellstmöglich gegenzusteuern. Denn die Zeit läuft davon, und der Ruf des Vereins steht auf dem Spiel. Die Bilanz spricht eine deutliche Sprache: Nur noch 25 Punkte aus 19 Spielen – eine Katastrophe.
