Mihambo zittert und gewinnt: neunter hallentitel trotz 6,37 m-rutsch

6,37 Meter, zwei Fehlversuche, Platz zwei zur Halbzeit – Malaika Mihambo lachte trotzdem. Die Olympia-Queen schlug sich in Dortmund erstmals seit Jahren selbst auf den Zahn, schaffte aber den erlösenden vierten Sprung: 6,57 Meter, Spitzenplatz, neunter Hallen-Titel in Folge. Ein Rekord, der selbst sie „sehr glücklich“ macht.

Das geheimnis der serie hat nichts mit weite zu tun

32 Jahre, zweifache Weltmeisterin, Olympia-Gold – und dennoch fühlt sich Mihambo in der Halle wie ein Neuling. „Ich bin mit 9,7 Metern pro Sekunde angeflogen, in der Halle ein Wert für die Geschichtsbücher. Aber die Weite blieb aus“, sagt sie und kratzt sich verwundert den Kopf.

Die Erklärung liefert ihr Körper: Infekt im Winter, Knieprobleme, Trainingspause. „Zeit, die fehlt“, sagt sie knapp. Statt 7,00 Meter springt sie 6,37 – und gewinnt trotzdem. Denn Mihambo beherrscht die Kunst, auch mit 80 Prozent zu siegen. Das haben nur die Größten drauf.

Libby Buder führt zur Halbzeit, die Halle tobt. Doch Mihambo bleibt kühl: vierte Runde, 20 Zentimeter mehr, Schlusspunkt. Die Gegnerin schüttelt nur die Schulter. Sie kennt das Ritual.

Die wm in torun ist gestrichen, birmingham im visier

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Mihambo hatte ihren Saisonplan schon vor Wochen umgeschmissen. Torun? Fehlanzeige. Stattdessen zielt sie auf drei Termine: Europameisterschaft in Birmingham, die erste Ultimate Championships in Budapest und die Diamond-League-Shows. „Wenn ich in der Halle schon 6,57 springe, weiß ich, dass im Sommer die 7 Meter kommen“, sagt sie.

Die Zahle spricht für sie: Seit 2018 wurde sie in der Halle nicht geschlagen. Keine Verletzung, kein Formtief, kein Frust hat gereicht, die Serie zu stoppen. Dabei ist der Hallentitel in ihrer Vita nur eine Fußnote – trotzdem hält sie daran fest wie ein Ritter an seinem Schwert.

Nach dem letzten Versuch umarmt sie ihre Konkurrentinnen, dann verschwindet sie in der Mixed-Zone. Keine Show, keine Tränen. Nur ein kurzer Satz: „Ich bin einfach froh, dass der Körper wieder mitspielt.“

Die Fans in Dortmund ahnen: Sie haben eben keinen Weltrekord gesehen, sondern etwas Seltenes – eine Athletin, die sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen lässt, wenn ihre Sprünge mal kurz werden. Und genau deshalb reisen im Sommer wieder alle zur Anlage, wenn Malaika Mihambo anläuft. Denn dann fliegt sie – garantiert.