Mercedes zerlegt sich selbst: stallorder nach barcelona?
Barcelona – Die Luft bei Mercedes ist zum Schneiden dick. Nach dem frustrierenden Rennen, in dem Lewis Hamilton einen dominanten Ferrari-Sieg feierte und das Team selbst sich möglicherweise das Podium verwehrte, steht die Organisation vor einer Zäsur. Toto Wolff deutete bereits an, dass mehr aus dem Rennen hätte herausspringen können – eine Ansage, die im gesamten Team für Aufruhr sorgt.
Teaminterner kampf kostet wertvolle sekunden
Der Knackpunkt: Der interne Zweikampf zwischen George Russell und Kimi Antonelli. Während Antonelli auf dem Weg zu seinem sechsten Sieg in Folge schien, kostete der Kampf mit Russell wertvolle Sekunden. Wolff schätzte den Verlust auf fünf bis sechs Sekunden. „Ich glaube schon, dass Kimi hätte gewinnen können“, räumte der Mercedes-Teamchef ein. Die Entscheidung, beide Fahrer frei kämpfen zu lassen, erwies sich als fataler Fehler – ein Fehler, der Ferrari und Hamilton in die Position des Siegers katapultierte.
Nico Rosberg, Ex-Mercedes-Star, brachte die Situation auf den Punkt: „Mercedes hat heute zu viel Rücksicht auf George genommen. Sobald das Team riskiert, den Sieg zu verlieren, fährt man eigentlich zusammen auf den Teamsieg.“ Diese Worte treffen mitten ins Schwarze, denn Mercedes hat bislang stets den Fahrern freie Fahrt gewährt – eine Strategie, die nun in Frage gestellt wird. Der Rückstand von Antonelli auf den WM-Leader beträgt lediglich 41 Zähler – ein Vorsprung, der durch taktische Fehler wie diesen schnell verspielt werden kann.
Die Stallorder-Debatte entbrennt. Während Rosberg eine klare Stallorder vorerst für zu früh hält, erinnert er daran, dass Mercedes in der Vergangenheit bereits härtere Maßnahmen ergriffen hat, um den Sieg zu maximieren. „Das Team muss immer den Sieg maximieren. Wenn man Gefahr läuft, das Rennen zu verlieren, dann muss man zusammenarbeiten“, mahnte er.

Technische defekte verstärken die krise
Doch nicht nur der interne Zweikampf belastet Mercedes. Der erneute technische Defekt, der Antonelli wenige Runden vor Schluss aus dem Rennen nahm, sorgte für weitere Enttäuschung. Es war bereits der nächste kostspielige Ausfall in dieser Saison – ein Muster, das Wolff offen sprach: „Ich bin gar nicht zufrieden. Das kann nicht passieren, wenn du um eine WM fährst, dass du abwechselnd mit irgendeinem Auto Ausfälle hast, wenn du dicke Punkte machen kannst.“ Auch Russell wurde in Kanada bereits von einem Defekt geplagt.
Nach dem Rennen in Barcelona ist eines klar: Reine Geschwindigkeit reicht gegen Ferrari nicht mehr aus. Mercedes muss seine Strategie überdenken, die Zuverlässigkeit der Autos verbessern und – möglicherweise – eine Stallorder einführen. Der Titelkampf hat eine neue Dimension erreicht, und Mercedes muss jetzt handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. Die kommenden Rennen werden zeigen, ob das Team aus seinen Fehlern lernt und den Weg zum Titel noch zurückfindet.
