Mensik kämpft sich mit lahmem bein ins halbfinale – jetzt wartet zverev
Jakub Mensik hat sich mit einem linken Bein, das während des Viertelfinals streikte, und einem Kopf voller Adrenalin ins Halbfinale der French Open 2026 gebissen. Der 20-Jährige zerquetschte in 2:44 Stunden den bis dato als Geheimtipp gehandelten João Fonseca mit 6:4, 6:3, 7:6 (7:3) – und gab sich trotzdem keine Sekunde Illusion hin: „Der Job ist noch nicht erledigt.“
Der moment, als das bein abschaltete
Pünktlich zum Aufschlag im dritten Satz meldete sich der Schmerz. Kein Krampf diesmal, eher ein dumpfer Stich, der die Wadenmuskulatur lahmlegte. Die Geschwindigkeit des ersten Aufschlags sackte von 201 km/h auf 168 km/h, die Ballwechsel endeten früher, und Fonseca roch Blut. Beim 5:4 brachte der Brasilianer sogar Satzball heraus. Mensik grinste nur, schlug die Augen nieder und schwieg. Dann schaffte er es, über den Schmerz zu spielen. Die Schreie im Stadion glichen einem einzigen Luftholen.
Was niemand sah: zwischen zwei Aufschlägen massierte sich der Tscheche selbst das linke Wadenbein, als wolle er das Blut mit bloßen Händen zurückpumpen. Die Physiotherapeutin stand bereit, wurde aber nie gerufen. „Er ist dann einfach weg“, sagte Mensik später, als hätte der Schmerz einen Freund verabschiedet.

Von der trage ins halbfinale
Nur fünf Tage zuvor war er nach dem Fünfsatz-Krimi gegen Navone noch mit dem Rollstuhl vom Platz gefahren – Krämpfe, Kreislauf am Limit, Zuschauer, die sich die Augen rieben. Die Bilder gingen um die Welt, und selbst Experten schrieben ihn ab. „Wenn mir jemand gesagt hätte, ich spiele noch drei Matches, ich hätte ihn für verrückt erklärt“, lachte er jetzt. Stattdessen lief er 44 weitere Sätze, zertrümmerte zwei Routiniers und einen Next-Gen-Goldjungen.
Fonseca, der vor Wochen noch Djokovic ausgeschaltet hatte, wirkte plötzlich wie ein Spielverderber, der vergessen hatte, dass die Show eigentlich ihm gehört. Zu schnell war der Ball zurück, zu hoch der Lob, zu flach der Passierball. Und dann diese sechs vergebenen Matchbälle – ein Horrorfilm in 180 Sekunden. Beim siebten Versuch schickte Mensik einen Slice-Return so tief ins Eck, dass Fonseca nur noch hinterhersah.

Zverev wartet – und kennt die lektion
Am Freitag steht Alexander Zverev im Weg, der mit 1,98 m Körpergröße und einem Aufschlag wie ein Gewehr an der Schulter die Roland-Garros-Kathedralen erbeben lässt. Der Deutsche hat die letzten beiden Aufeinandertreffen gewonnen, beide auf Hartplatz, beide in drei Sätzen. „Er kennt meine Schwächen, ich kenne seine Geduld“, sagt Mensik. Das klingt wie ein Satz, der in einem Krimi stehen könnte.
Zverev selbst beobachtete das Viertelfinale aus der Ehrenloge, Arme verschränkt, Blick wie ein Schachcomputer. Als der letzte Ball im Tiebreak einschlug, nickte er nur kurz. Kein Jubel, keine Geste. Er weiß: Der Junge wird am Freitag ein anderes Bein haben – oder er wird es sich holen.
Mensik hob die Trophäe des Viertelfinalsiegers nicht in die Höhe. Er schleppte sie nur vom Platz, als wolle er sagen: Das hier ist nur die Halbzeit.
