Meister ohne aufstieg: mainz-bretzenheim feiert titel und verflucht das geld
Die Handballerinnen der TSG 1846 Mainz-Bretzenheim haben alles richtig gemacht – außer rechnen. Am letzten Spieltag schlugen sie HC Leipzig II, sicherten sich die Meisterschaft in der 3. Liga und durften trotzdem nicht aufsteigen. Grund: Die Lizenz für die 2. Frauen-Bundesliga kostet ab Sommer 150.000 Euro Mindestetat, 2027 sogar 200.000. Ein Betrag, der den Club vor die Wahl stellte: Profi-Traum oder Vereinsseele.
Die liga will professionalisierung, der verein will überleben
Die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) erklärt schriftlich, man wolle „konkurrenzfähige und wirtschaftlich tragfähige Strukturen“ schaffen. Klingt plausibel, wirkt in der Praxis wie ein K.o.-Schlag für Traditionsmannschaften. Statt drei Aufsteigern gibt es nur noch einen, weil kein Zweitligist absteigt – HB Ludwigsburg meldete Insolvenz. Die Folge: Sportliche Leistung zählt nur noch, wenn das Konto mitspielt.
Die TSG war schneller klar als ein Siebenmeter: Lizenzantrag unmöglich. Bereits im November musste man den Spielerinnen mitteilen, dass die 800-Mitglieder-Abteilung mit 30 Aktiv-Mannschaften den Etat nicht stemmt. „Wir kommen über die Breite und Gemeinschaft“, sagt Pressesprecherin Katharina Rausch. Wer die Jugend fördert, soll nicht hinten anstehen – so die Logik des Vereins. Die Liga sieht das anders.

Frust statt feier: „es ist scheiße, wenn man’s mal so sagen darf“
Kreisläuferin Antonia Hölzer, 21, kam 2023 aus der Jugend von Bayer Leverkusen, spielte schon die Vorsaison in Liga zwei. Jetzt bleibt nur der Titel als Trostpreis. „Wir bringen die Leistung, aber die Struktur verbaut uns die Zukunft“, sagt sie. Studium in Mainz, Wechsel unmöglich – ein Karriere-Stopp auf Raten. Die Mannschaft feierte auf dem Parkett, weinte in der Kabine.
Die Meisterschaft bleibt ein Achtungserfolg, doch der Jubel schmeckt nach Metall. Nächste Saison rollt wieder der Ball in Liga drei – dieselbe Liga, in der Bretzenheim jetzt die Beste ist. Der Sport lacht, das Regelwerk nicht.
