Meira warnt vfb: porto ist kein wundertopf, sondern ein vorschlaghammer

Fernando Meira spricht nicht wie ein früherer Held, sondern wie ein Mann, der weiß, wie schnell ein Traum platzen kann. „Porto spielt nicht schön, Porto schlägt dir die Schuhe aus“, sagt er am Mittwochabend in Stuttgart. Der Europameister von 2004 und VfB-Kapitän von 2007 blickt auf das Hinspiel am Donnerstag (18.45 Uhr) und sieht die Schwaben in der Außenseiterrolle – trotz Heimrecht, trotz Topspielkultur, trotz Silvesterallee-Stimmung.

Portos angriff beginnt ohne ball

Der FC Porto reist nicht als Tourist an. Die Drachen führen die Primeira Liga an, haben Sporting und Benfica bereits das Fürchten gelehrt und nur zwei Niederlagen kassiert – beide im Pokal, beide nach Elfmeterschießen. „Sie pressen nicht erst im Mittelkreis, sie pressen dich schon beim Einwurf“, beschreibt Meira die portugiesische Spielweise. Das Kollektiv funktioniere wie ein Uhrwerk: Fünf Sekunden Ballbesitz, dann kommt schon der nächste Körper. Der VfB dagegen liebt lange Ballstafetten, das berühmte Positionsangebot bis in die Tiefe. „Wenn Stuttgart drei Pässe nicht ankommen, steht Porto schon wieder mit fünf Mann vor dem eigenen Strafraum“, warnt Meira.

Die Zahlen sprechen seine Sprache: Porto erobert im Schnitt alle 5,2 Minuten den Ball in der gegnerischen Hälfte – Spitzenwert der Gruppenphase. Stuttgart dagegen kassierte in den letzten vier Pflichtspielen sieben Gegentore, drei nach eigener Ballverlustfolge. „Das ist kein Zufall, das ist ein Muster“, sagt Meira und deutet auf die linke Abwehrseite der Gäste. „Dort haben Benfica beide Tore beim 2:2 gemacht, weil Wendell zu hoch steht und der Sechser nicht zurückrutscht.“ Für Silas Katompa Mvumpa und Josha Vagnoman könnte das ein Einladungsschreiben sein.

Omorodion fällt aus – aber porto hat zwei ersatzgeschosse

Omorodion fällt aus – aber porto hat zwei ersatzgeschosse

Samu Omorodion, 21, 1,96 m, neun Europacup-Treffer, fällt mit Kreuzbandriss aus. „Ein Riesenverlust“, sagt Meira, „aber nicht der Mauerfall.“ Denn neben Galeno und Evanilson hat Trainer Vítor Bruno nun Danny Loader und Fran Navarro gleich zwei mobile Neunerkandidaten. „Loader zieht ins halbe Leipzig, Navarrowandert zwischen die Innenverteidiger. Beide sind schneller als Omorodion, beide sind unbequemer“, so Meira. Der VfB müsse deshalb nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Ball sichern – sonst geht’s zur Ecke, und Porto hat diese Saison schon neun Eckbälle verwandelt.

Stuttgarts Vorteil: Die eigene rechte Seite. Vagnoman plus Millot haben in der Liga bereits sieben Vorlagen produziert, Porto kassierte aus diesem Flügel 38 Prozent der Gegentore. „Wenn Vagnoman früh anlegt und Millot zwischen die Linien rutscht, kann Porto wackeln“, sagt Meira. „Aber nur, wenn Deniz Undav sofort die Räume besetzt. Sonst steht Porto wieder mit sieben Mann im Strafraum.“

Das rückspiel in porto wird lauter als ein startbahn-west-gesetz

Das rückspiel in porto wird lauter als ein startbahn-west-gesetz

Meira kennt die Dragão. „Dort pfeift dir schon der Balljunge zu, wenn du die Kabine verlässt“, sagt er und lacht – aber nur kurz. 50.000 Fans, alles in Weiß, Samba-Rhythmus, Feuerwerk über der Tribüne. „Wenn du nach 20 Minuten hinten liegst, fühlst du dich an, als würde der Boden beben.“ Der VfB brauche deshalb schon im Hinspiel eine Führung, „mindestens ein Tor, besser zwei“. Denn in Portugal werde Stuttgart nicht nur Gegentore, sondern auch Zeit kassieren. „Porto schleppt sich nicht, Porto schleppt dich.“

Sein Tipp: 2:1 für Stuttgart im Hinspiel, „aber nur, wenn Hoeneß seine Jungs in die Zweikämpfe schickt wie gegen Bayern“. Dann dürfe kein Mitläufermentalismus aufkommen. „Wenn der VfB glaubt, schöner Fußball reicht, fliegt er raus. Wenn er glaubt, härter zu sein als Porto, fliegt er auch raus. Er muss beides zeigen – und das in 180 Minuten.“

Am Ende bleibt ein Satz hängen, der klingt wie ein Abschiedsbrief an die eigene Karriere: „Porto ist kein Gegner, den du besiegst. Porto ist ein Gegner, dem du entkommst.“ Wenn der VfB das versteht, steht das Viertelfinale offen. Wenn nicht, fliegt er am Donnerstagabend schon in der Theorie nach Hause – und in der Realität eine Woche später.