Funkel zückt den stift: wolfsburg hat keine chance, köln braucht mich

Friedhelm Funkel lacht nicht, als er die Frage hört. Er lacht über sie. „Beim VfL fehlt mir die Fantasie“, sagt der Mann, der schon sieben Bundesligavereine aus der Hölle zog, und meint damit nicht die Spielideen von Dieter Hecking, sondern schlicht: die Punkte. 20 Zähler aus 25 Spielen, fünf Siege nötig, Restprogramm mit Leverkusen und Bayern – für Funkel reicht das zum Schreien. Er sitzt in Krefeld, guckt die Lage an wie ein Schachbrett und weiß: Wer jetzt unten steht, kommt da kaum noch raus.

Warum wolfsburg längst abgestiegen ist – nur die tabelle weiß es noch nicht

Die Mannschaft redet sich selbst schlecht. Yannick Gerhardt und Maximilian Arnold, sonst Stimmen aus dem Maschinenraum, plaudern vor laufender Kamera vom „Systembruch“. Funkel nimmt das mit der Geringschätzung eines Insiders zur Kenntnis: „Das sind keine Jungs, die mal eben Dampf ablassen. Das sind Warnrufe an den Vorstand.“ Das Hecking- come-back sei zwar ein Notpflaster, aber in einem Verein, „der keine Fans hat, wenn es eng wird“, wirke Selbstinszenierung wie ein leeres Stadion. Die Rechnung: Drei Siege aus den letzten neun Spielen nötig, dazu Auswärtsaufgaben in Hoffenheim, Leverkusen, daheim gegen Bayern. „Da kann selbst einer wie ich nicht mehr zaubern“, sagt Funkel, der in Wolfsburg 2012 schon einmal den Karren aus dem Dreck zog.

Er spricht schneller, wenn er an Bremen denkt. „Da ist Stimmung, da ist Thioune, der meinen Stil hatte: weniger Folie, mehr Gefühl.“ Drei Niederlagen zu Beginn, dann ein glückliches 1:0 in Berlin – für Funkel ein Klassiker: „Der Abstiegskampf beginnt im Kopf, nicht auf dem Platz.“ Auch Mainz lobt er, „weil Christian Heidel immer den richtigen Retter findet“, diesmal Urs Fischer, der die Raute wieder zur Raute macht.

Köln ruft nicht – und das ist auch besser so

Köln ruft nicht – und das ist auch besser so

Der 1. FC Köln steht einen Punkt vor der Relegation, aber Funkels Telefon bleibt stumm. „Ich kenne jeden Flur im Geißbockheim, aber sie wissen, dass ich dann die Erwartung wäre, nicht der Trainer.“ 2021 noch rettete er den Effzeh in Kiel, ließ Kainz und Andersson zunächst auf der Bank, stellte sie für den 5:1- Rückspiel um – „manchmal muss der Coach auch Glück haben, und ich hatte es“. Diesmal würde er sofort einsteigen, sagt er, „wenn die Struktur stimmt“. Aber die Struktur stottert überall: „Vier Vereine wechseln bis Saisonende den Coach, das ist keine Taktik, das ist Panik.“

Funkel sieht sich selbst nicht mehr als Lösung, sondern als Zündstoff. „Wenn du mit 72 nochmal einsteigst, bist du entweder verrückt – oder du liebst diesen Scheiß eben doch.“ Er lacht wieder, diesmal ohne Häme. Denn er weiß: In zwei Wochen klingelt das Handy, und dann heißt es wieder „Hallo, Feuerwehrmann“. Und dann wird er sich die Koffer aus dem Schrank holen, den albenreifen Spruch parieren – und runter in den Keller fahren, wo die Lichter flackern. Weil er es kann. Und weil die Bundesliga ihn braucht, ob sie will oder nicht.