Max kanter rastet in montargis aus: erster worldtour-sieg nach acht jahren leiden

Max Kanter schrie sich am Montagnachmittag die Seele aus dem Leib, und die Worte rissen nur so aus ihm heraus. 187 Kilometer lang hatte er sich im Windschatten der Großen versteckt, drei Kilometer vor dem Ziel noch von seinem Astana-Zug verlassen – und dann fuhr er sich mit 68 km/h die Frustration der vergangenen Monate einfach weg. Paris-Nizza, Etappe 2, Montargis: Kanters erster WorldTour-Sieg, 2.979 Tage nach seinem Profidebüt.

Warum der cottbuser diesen sieg so sehr brauchte

Die Zahlen sind rau: seit 2017 drei Siege, keine WorldTour, keine Einladung zur Tour de France. Kanter, 28, war längst zum Dauergast in der zweiten Reihe verdammt – Sturz in Valencia, Bronchitis im Frühjahr, verpasste Wildcard für Paris-Roubaix. „Ich hatte Tage, da habe ich mich gefragt, ob das Rad noch auf meiner Seite ist“, sagt er nach dem Rennen, die Stimme noch heiser vom Spurt. „Heute hat es geantwortet.“

Die finale Rechts-Links-Kombi vor der Zielgerade passte wie ein Schlüssel ins Schloss. Laurence Pithie schalt einen Zahn zu spät, Jasper Stuyven kam zu weit außen – Kanter aber wartete, wartete, und dann jagte er mit letzter Kraft durch die Lücke zwischen ihnen. 0,07 Sekunden Vorsprung, so knapp, dass die Fotozelle zweimal nachmessen musste. Im Astana-Bus fiel ihm danach die Sonnenbrille vom Gesicht, Teamchef Dmitri Fofonov umarmte ihn, bis die Rippen knackten.

Was jetzt auf ihn zukommt

Was jetzt auf ihn zukommt

Die Gesamtwertung ist erstmal Nebensache. Luke Lamperti trägt das Gelbe Trikot, Vingegaard & Co. müssen erst beim Mannschaftszeitfahren ran. Kanter aber darf wieder träumen – vielleicht sogar von der Tour, die in drei Monaten in Bilbao startet. „Wenn das Team anruft, bin ich startklar. Aber heute reicht es erst mal, dass meine Frau nicht mehr weint, wenn sie die Ergebnisliste checkt.“

Am Sonntag endet die Rundfahrt in Nizza. Für Kanter beginnt dort vielleicht schon eine neue Saison. Der Sprinter, der sich selbst als „zu langsam für die großen Bühne“ bezeichnete, hat bewiesen, dass Tempo allein nicht reicht – manchmal braucht es einfach nur den richtigen Moment, um alte Zweifel zu überrollen.