Matthäus’ 65er: dortmund buht, der hsv schenkt – eine geburtstagsparty mit ecken und kanten
Pfiffe statt Punschtorte. Lothar Matthäus feierte seinen 65. Geburtstag nicht im Kreis von Familie und Freunden, sondern mitten im BVB-Fanblock – und kassierte dafür genau das, was ihn seit 40 Jahren begleitet: pure Emotion.
Der moment, als norbert dickel stimmung machen wollte
Der Stadionsprecher bat die Ränge, das Geburtstagskind zu ehren. Erste Strophen von „Happy Birthday“ schwollen an, dann rissen sie ab. Die Schwarzgelben erkannten das Objekt ihrer Begleitung, und die Melodie kippte in ein grollendes Pfeifkonzert. Dickel, selbst einst Borussen-Idol, spitzte den Mund: „Hat ja auch zu lange in München gespielt.“ Matthäus lächelte nur, hob die Hand, dankte – ein Mann, der weiß, dass Applaus in Dortmund ein Geschenk, kein Recht ist.
Die Zahlen sprechen für sich: 150 Bundesligaspiele gegen den BVB, 104 für die Bayern, 20 Tore. Kein Deutscher hat in der Südtribüne öfter gespielt – und keine andere Legende polarisiert dort so sehr wie er. „Ich habe mir die Pfiffe hart erarbeitet“, sagt Matthäus. „Schön wäre nur Gesang gewesen, aber das nehme ich mit.“

Kovics überraschung und polzins liebesbeweis
Die Dortmacher wollten ihre Schärfe mit Herzblut würzen. Trainer Niko Kovic überreichte eine schwarze Box mit der Originalkarte zur ersten Heimpartie des BVB 1974 im Stadion Rote Erde – Matthäus war damals 13. Dazu das limitierte Retro-Trikot, Nummer 65, Name Lothar. „Ein Stück Dortmunder Geschichte für ein Stück Bundesliga-Geschichte“, sagte Kovic.
Im Norden mischte der HSV mit. Trainer Merlin Polzin präsentierte ein Trikot mit der 10, die Matthäus 1999 in Hamburg trug, und eine Collage: 39 Fotos, darunter 14 Duelle gegen den HSV, ein Torjubel vor der Südtribüne, ein verschmitzter Blick Richtung Gegentribüne. „Er spielte am häufigsten gegen uns, deshalb haben wir ihn zum Club geholt – wenigstens auf Papier“, scherzt Polzin. Den Schlusspunkt setzte eine Autogrammkarte von Alexander Rössing-Lelesiit, dem Norweger, dessen Namen Matthäus live im TV einst in sieben Anläufen nicht herunterbrachte. „Jetzt kann er ihn langsam lesen“, lacht Matthäus.

Warum der tag mehr war als pr
Der BVB distanziert sich mit jedem Jahr mehr von der einstigen Bayern-Feindschaft, doch für Matthäus macht das Stadion keine Pause. Die Szene zeigt: Fußball ist in Dortmund noch erlaubt, weil er sich erlauben darf, laut zu sein, zu lieben, zu hassen. Matthäus selbst nutzte die Bühne, um sich selbst zu relativieren: „Ich bin nicht gekommen, um geliebt zu werden. Ich bin gekommen, weil ich Fußball liebe.“
Am Ende stand ein 2:2, zwei späte Tore, ein lauter Schlusspfiff – und ein 65-Jähriger, der sich ins Mikro verbeugte. Kein Happy-End, aber ein echtes Ende. Und das ist in der Bundesliga selten genug.
