Matteo mana: der mann, der ballabene bezwang und italien träumt

Ein einziger Punkt trennte Triumph von Trauer. 7:6 gegen Carlo Ballabene – Italiens Boccia-Superstar – und plötzlich steht Matteo Mana im Licht, das sonst nur die großen Namen der Liga erfahren. Der 28-jährige Physiotherapeut aus Centallo ist FIB Top Player des Monats März, hat La Perosina in die Final Four geschossen und denkt schon an die WM im Oktober.

Warum dieser sieg mehr zählt als ein turnier

Ballabene gilt als nahezu unfehlbar, seine Technik als Referenz. Mana konterte mit Nerven aus Stahl und einem Arm, der sich seit Jahren an der Grenze zwischen Beruf und Leidenschaft bewegt. „Er macht kaum Fehler, ich auch nicht. Am Ende war es ein Wurf, der entschied“, sagt er knapp, als hätte er gerade nur das Training verlassen. Dabei war die Halle in Chiavari zum Bersten voll, die Tribüne ein einziges Trommelfell.

Die Familie Data, Besitzer von La Perosina, ließ ihn nach seiner Frankreich-Rückkehr 2020 sofort aufstellen. Drei Jahre später liefert Mana Quittung: fünf Einzelnächte in Folge gewonnen, keine Niederlage im entscheidenden Match. Der Club schreibt auf Instagram nur ein Wort: „Grazie.“

Französische seele, italienischer zwang

Französische seele, italienischer zwang

Vier Jahre spielte Mana in Grenoble, aß Croissants statt Pasta und lernte, dass Boccia dort Gemeinschaft bedeutet. „In Frankreich applaudiert dir der Gegner, wenn du den Punkt des Jahres wirfst. In Italien schweigen alle, wenn du verlierst.“ Diese Kultur schärfte seinen Blick für Details: Er misst Schlafphasen, erfasst Rotationswinkel der Kugel, programmiert Eigenbau-Apps zur Muskelanalyse. Kein Wunder, dass ihn Teamchef Marco Rizzello schon für Juli zu einem Lehrgang nach Rom einlädt.

Sein Physiotherapie-Studio öffnet um 7 Uhr, schließt um 20 Uhr. Dazwischen: Sprinteinheiten im Park, Gewichtheben im Keller, dann abends noch zwei Stunden auf der Bahn. „Wenn du nicht läufst, bist du in der Schnellbahn tot“, sagt er und deutet auf seine Wade. Dort steckt eine Narbe, Erinnerung an einen Faserriss während der Quali 2021. Seitdem dehnt er jeden Morgen 20 Minuten lang – was viele Profis laut ihm versäumen. „Stretching ist kein Luxus, es ist der Tank, bevor du Gas gibst.“

Die final four und der traum vom azzurri-trikot

Die final four und der traum vom azzurri-trikot

Am 2. und 3. Mai trifft La Perosina in Aosta auf Chiavarese, die Mannschaft, die Ballabene führt. Mana lacht, als er gefragt wird, ob er wieder vor dem TV sitzen und Videoanalysen schneiden wird. „Ich kenne seine Vorliebe für die Punta-Parabel, seine Schwäche ist die Rückhand bei Druck. Aber er kennt meine auch.“ Entscheidend sei der erste Durchgang: „Wenn wir 3:0 führen, wird es laut in ihren Köpfen.“

Danach der Blick über den Tellerrand: Die WM im Volo findet in Sarajevo statt, 48 Nationen, ein K.O.-System. Mana trägt derzeit Rang 17 der Weltrangliste, reicht aber Platz 14 für eine fixe Nominierung. „Ich brauche noch 280 Punkte. Das sind zwei Turniersiege oder ein Finale plus Halbfinale. Machbar.“

Er weiß, dass Italiens Boccia-Fans nicht mehr nur nach Turin, sondern auch nach Centallo schauen. Dort steht sein Studio zwischen einer Bäckerei und einem Friseur. Am Fenster klebt ein Aufkleber: „Sport ist Medizin.“ Drinnen wartet schon der nächste Patient – und draußen die nächste Kugel, die rollen will.