Matic packt aus: 75 euro, ein kettensägen-job und warum niemand ihn wollte

Nemanja Matic hat's geschafft. Aber keiner wollte ihn. In Serbien galt der heutige Sassuolo-Profi als aussortiert: Dritte Liga, 75 Euro Monatslohn, dazu Holzfällen mit dem Vater. Der Weg vom Sägen zum Champions-League-Sieger führt über ein belangloses Probetraining in der Slowakei. Dort entdeckte ihn Ex-Nationalspieler Jan Kozak – und veränderte ein Leben.

Der tag, als jorge jesus ihn zum weltklassespieler umfunktionierte

Matic erzählt, wie Benfica-Coach Jesus ihm durch einen Dolmetscher mitteilte: „Als Achter oder Zehner bist du nicht gut genug.“ Stattdessen solle er auf der Sechs spielen. „Ich dachte: Warum holst du mich dann?“, sagt Matic. Vier Monate später verstand er: Jesus hatte recht. Die Ruhe unter Pressing? „Nicht nur Talent. Ich habe sie mir antrainiert“, betont er.

Heute, mit 37, kickt er noch immer. Warum? „Weil mir klar ist, wie schnell es vorbei sein kann.“ Und weil er sich auf dem Platz wie in einer Jugendherberge fühlt: Statt Karten spielt Sassuolo mit Dartpfeilen. Matic liegt in der Champions-League-Kategorie – zusammen mit Idzes und Pinamonti. Trainer Fabio Grosso müsste sich hochkämpfen, scherzt er: „Erst alle besser treffen, dann aufsteigen.“

Roma, mourinho und die frage der eitelkeit

Roma, mourinho und die frage der eitelkeit

Rom gilt vielen als verlorene Liebe. Die Trennung verlief schmutzig: „Jährliche Verträge, ständiges Vertrösten – das war respektlos“, sagt Matic. Trotzdem schwärmt er von den Fans: „Die füllen das Stadion, egal ob Europa League oder Regen. Die verdienen Titel, nicht Mittelmaß.“

Mit Mourinho gewann er Premier-League-Gold, beim Blick auf Manchester sieht er ein Erziehungsproblem: „Zu viel Marketing, zu wenig Fußball.“ Die Spieler absolvierten wöchentlich zweistündige Werbeshootings. „Old Trafford ist laut, aber wenn du als Jungspund beim ersten Rückpass Pfiffe kriegst, bekommst du Angst statt Spielwitz.“

Die wahrheit über mihajlovic und der serben-misere

Die wahrheit über mihajlovic und der serben-misere

Ein Streit mit Serbien-Coach Mihajlovic? „Quatsch“, sagt Matic. Er habe lediglich abgesagt, weil er in der Hierarchie nur Fünfter war. Später rief Mihajlovic an und bat um Rückkehr. „Er kam nach Lissabon, wir aßen zusammen. Kein Wort über die Vergangenheit – nur Fußball.“

Problematisch sei heute die Serien-Ausbildung: „Wir produzieren keine Stars mehr, nur noch Polit-Funktionäre. Das schadet dem Talent.“ Und Italien? Hängt in den 90ern fest. „Akademien vermitteln Angst statt Kreativität. Dribbling gilt als Luxus, nicht als Notwendigkeit. Wenn das so bleibt, wird die Serie A zur Rente-Republik – und das meine ich als 37-Jähriger.“

Die Karriere neigt sich dem Ende zu, der Coach steht bereit. „Ich will kein Mourinho-Klon sein, sondern Matic pur“, sagt er. Derzeit trainiert er Filippo, 15, dessen Position wandert sich wie einst die seine – von Stürmer zu Mittelfeldstratege. „Die Geschichte wiederholt sich. Nur das Holzfällen bleibt dieser Zeit verwehrt.“