Matanovic schreibt heimspiel-saga – und fliegt direkt in wm-auswahl
Ein Doppelpack gegen die Lieblingskicker von St. Pauli, ein Abflug nach Orlando und das gute Gefühl, endlich angekommen zu sein: Igor Matanovic hat am Millerntor die Nacht seiner Karriere erlebt – und musste sie direkt danach wieder verlassen.
22 Jahre, 1,94 Meter, 180 Minuten Macht. Innerhalb von vier Tagen traf der Stürmer zweimal, schoss Freiburg ins Viertelfinale der Europa League und seinen Ex-Verein in die Niederlage. Dabei war das 2:1 auf St. Pauli nur die Halbzeit seiner Geschichte.
„Das war ein besonderes gefühl“ – und dann ging’s zur familie
Matanovic wuchs fünzig Meter neben dem Millerntor-Platz auf, kickte als Knirps auf dem Kiez, schlenderte später als Balljunge durch die Gänge. Als er am Sonntag nach Abpfiff die Katakomben verließ, warteten nicht nur Reporter, sondern auch Cousins und Schulfreunde. „Ich fliege aus Hamburg über Frankfurt nach Orlando. Wir spielen gegen Kolumbien und Brasilien“, sagte er, während das Handy nicht stillstand. Die kroatische Nationalmannschaft ruft, der WM-Gastgeber USA lockt – und mit ihm die Chance, bei einem Turnament dabei zu sein, das er als Kind noch im Hemd der 2018er-Weltmeister bejubelte.
Der Weg dahin führte über Umwege. Nach 58 Zweitliga-Einsätzen für St. Pauli wechselte er 2023 nach Frankfurt, dann nach Karlsruhe, wo er die Spielzeit mit zwölf Treffern abschloss. Freiburg zahlte im Sommer zwölf Millionen Euro – ein Wert, der sich seit Donnerstag schneller rechnet als der Stadion-Uhrzeiger. Gegen Genk traf er per Kopf, gegen St. Pauli per Hacke und Rechtsfuß. Drei Schüsse, drei Treffer, eine Effizienz, die selbst Christian Streich ins Schwärmen bringt.

Julian schuster setzt auf die breisgau-bombe
Trainer Julian Schuster erklärte nach der Partie, er habe Matanovic bewusst in der Startelf gelassen, „weil er genau diesen Moment braucht“. Der Stürmer selbst redet nicht vom Sprung, sondern vom Verstehen: „Man muss einfach diese Werte oder das, was der Trainer von einem will, adaptieren. Da habe ich ein bisschen gebraucht.“ Die Zeit ist vorbei. Inzwischen ist er Dritter der internen Scorerliste hinter Vincenzo Grifo und Michael Gregoritsch, hat aber die bessere Minuten-Tore-Quote.
Die nächsten Gegner heißen nicht mehr Darmstadt oder Mainz, sondern Brazil und Colombia. Matanovic wird in Orlando nicht in der Startelf stehen, aber er wird dabei sein – und das ist mehr, als viele seiner Alterskolagen von sich behaupten können. Die WM liegt noch acht Monate entfernt, doch schon jetzt ist klar: Wer so trifft, fliegt weit. Vielleicht sogar bis an den Hudson River.
In Hamburg blieb nur ein kleines Andenken: ein Trikot, das er einem Neunjährigen in die Hand drückte. „Der Junge war genau wie ich“, sagte Matanovic, bevor er in den Van stieg. Die Heimspiel-Saga ist geschrieben, die Auswärtshymne beginnt.
