Matanovic schlägt doppelt in hamburg – freiburg dreht spät auf und entzaubert st. pauli

Igor Matanovic schlug zurück – zielstrebig, lautlos, eiskalt. Beim FC St. Pauli, wo er einst noch auf der Millerntor-Tribüne applaudiert hatte, trug er den SC Freiburg mit zwei Treffern zum ersten Auswärtssieg 2025 und schickte die Kiez-Kicker mit einem blutenden Punktekonto in die Länderspielpause.

Vom ex-kiezkicker zum spielverderber

Die erste Halbzeit gehörte den Braun-Weißen. Ryo Fujita und Danel Sinani rissen Freiburgs Spielaufbau auseinander, St. Pauli presste, St. Pauli kombinierte, St. Pauli traf nach Ecke durch Sinani (24.). Christian Streich-Nachfolger Julian Schuster stand am Spielfeldrand wie angewurzelt, seine Elf wirkte wie nach drei Tagen Europacup-Duft im eigenen Strafraum verschnupft.

Doch Schuster reagierte mit brutaler Konsequenz: Doppelwechsel zur Pause, Irié und Lienhart sollten neue Impulse setzen. Was folgte, war kein Systemwechsel, sondern ein Mentalitäts-Turbo. Freiburg spielte fortan mit dem Rücken zur Wand, Grifo feierte zwar seinen 300. Bundesliga-Einsatz, aber erst in Minute 65 wurde die Zahl richtig bedeutungsvoll. Da lenkte Matanovic dessen Schuss entscheidend ab – 1:1, Vasilj machtlos.

Das zweite Tor des Stürmers war fast schon Programm. Irié donnerte den Ball aus spitzem Winkel aufs Tor, Vasilj parierte, doch Matanovic stand goldrichtig und drückte den Abstauber über die Linie (78.). Kein Jubel, nur ein kurzer Blick zum Himmel. Die alte Liebe stirbt bekanntlich zuletzt.

St. pauli verpasst sprung aus dem tabellenkeller

St. pauli verpasst sprung aus dem tabellenkeller

Die Zahlen hinter dem Drama: Freiburg erzielte 2,04 xGoals, schoss 15-mal aufs Tor und kassierte dennoch fast 30.000 fluchende Kiez-Fans. Für St. Pauli bedeutet die Pleite den Anschluss an die Abstiegsplätze, der Relegationsrang rückt in weite Ferne. Trainer Alexander Blessin sprach von »kleinen Details«, tatsächlich aber war es eine der alten Geschichten: Ballbesitz bringt keine Punkte, wenn die Zweikampfführung fehlt.

Für Freiburg war es der erste Sieg fern der badischen Heimat seit dem 5. August 2024 – ein halbes Jahr Leiden beendet. Mit 36 Punkten schließen die Breisgauer nun auf, nur zwei Zähler trennen sie vom siebtplatzierten Europa-League-Rang. Schusters Mannschaft bewies, dass Auswärtsschwäche nicht in der DNS verankert ist, sondern in der Kopf- und Bein-Arbeit liegt.

Die Serie der Südbaden bleibt auch deshalb spannend, weil am 29. Spieltag mit dem FC Bayern der nächste Gradmesser ansteht. St. Pauli reist indes nach Berlin – zum Union-Spiel, das jetzt schon nach Endspiel riecht. Die Saison ist noch lang, aber die Uhr tickt lauter auf der Reeperbahn.