Maske zerreißt deutschen spitzensport: "das ist kein tief, das ist ein absturz"

Henry Maske brauchte keine fünf Minuten, um die deutsche Sportwelt zu erschüttern. „Das macht mir Angst“, sagte der 62-Jährige im Oberhausener Ebertbad – und meinte nicht die nächste Runde im Boxring, sondern die eigene Sportschlacht. Tokio 2025, Mailand 2026: zwei Daten, die Maske wie Schläge ins Gesicht treffen.

Leichtathletik war einst unsere parade – heute eine leiche

Die Leichtathletik-WM im September war für ihn der Moment, als der Spiegel endgültig zerbarst. „Unsere vermeintlichen Asse haben es nicht mehr gepackt. Ich dachte: Das gibt es doch gar nicht.“ Platz elf im Medaillenspiegel, eine einzige Goldmedaille – und die von Leo Neugebauer, der in den USA trainiert. Maske schüttelt den Kopf: „Das ist kein Tief, das ist ein Absturz.“

Der ehemalige IBF-Weltmeister redet nicht aus der Vergangenheit. Er redet aus der Seele eines Mannes, der weiß, wie viel Schweiß eine Goldmedaille kostet. Und er sieht, dass der Schweiß heute verpufft. „Früher waren wir immer dabei. Heute ist kaum noch jemand da.“ Die Leichtathletik war einst Deutschlands Sport-Tanker – breit, stabil, unversiegbar. Jetzt ist sie ein Flickenteppich aus Ländern, Disziplinen und leeren Händen.

Biathlon ohne deutsche? das ist wie oktoberfest ohne bier

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Doch Maske macht nicht nur Sommerurlaub in der Kritik. Er zieht weiter in die Winterwelt – und findet dort dasselbe Desaster. Mailand und Cortina 2026: Die deutschen Biathleten holen eine einzige Bronzemedaille in der Mixed-Staffel. Nie zuvor war das Olympia-Debakel so düster. „Wenn die Biathleten nicht mehr dabei sind, dann ist das beängstigend. Und das ist ein Abbild der Gesellschaft.“

Für Maske ist das kein Zufall. Es ist ein Symptom. Er macht die deutsche Sportförderung verantwortlich – und die Strukturen, die seit der Wende entstanden sind. „Da läuft nicht nur ein bisschen nicht richtig, sondern ganz viel falsch.“ Er sagt es ohne Pause, ohne Rücksicht. Weil er kann. Weil er muss.

Der Mann, der einst 44 Profikämpfe ungeschlagen blieb, sieht einen neuen Gegner: die deutsche Sportbürokratie. Und er schlägt zu – mit Worten, die härter sind als jeder rechte Haken. „Das ist beängstigend.“ Dreimal sagt er es in zehn Minuten. Kein Reporter muss nachhaken. Die Wahrheit liegt auf dem Tisch wie ein blauer Fleck.

Am Ende bleibt ein Satz haften, der nicht in die Statistik fließt, aber in die Köpfe: „Wir haben nicht nur verloren. Wir haben verlernt, wie man gewinnt.“ Maske verlässt die Bühne. Die Sportszene bleibt sitzen – und spürt, dass das nächste Kapitel nicht auf der Matte, sondern im Stuhlkreis geschrieben wird.