Infantino taucht in antalya auf – irans wm-teilnahme wird zum poker
Gianni Infantino flog hin, wo die Kameras warteten – und schwieg. Der FIFA-Präsident erschien am Dienstag kurz vor Anpfiff des iranischen Testspiels in Antalya, ließ die Presse auf Distanz und verschwand wieder. Kein Wort zur brisanten Frage: Darf ein Land, das gerade seine Athleten vom Reisen in „feindliche“ Staaten verbietet, drei Monate später in Los Angeles, Seattle und Tucson zum Weltmeisterschafts-Ball rollen?
Der Auftritt war ein Signal. Kein offizielles Statement, aber ein Bild: Infantino auf der Tribüne, neben iranischen Funktionären, während Costa Rica auf dem Platz stand. Die FIFA hatte die Begegnung nicht einmal angekündigt, doch die Botschaft war klar – Plan A heißt: Iran spielt, egal wie sehr der Nahe Osten brennt.
Trump schickt widersprüchliche signale
Die politische Lage ist laut Infantino „sehr kompliziert“. Das ist Untertreibung. Donald Trump schreibt auf Truth Social, iranische Spieler seien „willkommen“, gleichzeitig hält er es „nicht für angemessen, dass sie dort sind“. Das Weiße Haus schweigt zu Details, aber der FIFA-Chef pflegt seit Jahren ein enges Verhältnis zum ehemaligen und möglicherweise künftigen US-Präsidenten. Ein Machtfaktor, der im Sommer 2026 zählt, wenn die USA gemeinsam mit Mexiko und Kanada die WM ausrichten.
Die iranische Reise-Sperre macht die Sache noch brisanter. Seit vergangener Woche dürfen Nationalteams und Vereine nicht mehr in Staaten reisen, die Teheran als „feindlich“ einstuft. Darunter fallen auch die USA. Die FIFA beruft sich auf Statuten, die Politik aus dem Sport halten wollen, aber genau diese Statuten enthalten auch Klauseln gegen staatliche Diskriminierung. Ein Ausschluss wäre rechtlich möglich, politisch explosiv.

Tucson ist gebucht – mexiko kommt nicht ins spiel
Das iranische Quartier in Tucson, Arizona, steht fest. 35 Grad Schatten, Wüstenluft, ein Campus voller Golf-Plätze – perfekt für eine Mannschaft, die sich isolieren will. Die FIFA schließt eine Verlegung der Gruppenspiele nach Mexiko aus. Intern heißt es, man wolle „keinen Präzedenzfall schaffen“. Das klingt nach Stärke, ist aber auch Schulterzucken: Wer jetzt nachgibt, öffnet Tür und Tor für künftige Boykottforderungen.
Die Gruppe B fix: Iran trifft am 13. Juni in Los Angeles auf Neuseeland, drei Tage später auf Belgien, danach in Seattle auf Ägypten. Drei Städte, drei Zeit-zonen, ein Kontinent voller iranischer Exil-Communitys, die schon jetzt ankündigen, zu protestieren. Sicherheitskräfte bereiten sich auf Szenarien vor, die weit über Pyrotechnik hinausgehen.
Infantinos Strategie ist ein Jahrhundertwürfel. Er setzt auf Durchhalteparolen, während die Uhren in Washington und Teheran unterschiedlich ticken. Die FIFA hat keine Alternative, weil eine Alternative zugäbe, dass Regeln doch verhandelbar sind. Also bleibt nur: auftauchen, schweigen, weitermachen. Der Ball rollt – und mit ihm eine diplomatische Bombe, 90 Minuten lang, drei Mal in der Gruppenphase. Wer zuerst trifft, wird nicht nur auf dem Platz entschieden.
