Martín: blitzsieg in mugello – rätselraten um reifenwahl!
Jorge Martín hat am Samstagnachmittag in Mugello eine beeindruckende Vorstellung gezeigt und den Sprint-Sieg in seiner Tasche. Der Pramac-Ducati-Pilot distanzierte seine Verfolger und verkürzte den Rückstand auf Tabellenführer Marco Bezzecchi auf lediglich 12 Punkte. Doch der Sieg schmeckt süß, nachdem es im Qualifying bereits zu einem weiteren Duell mit Raúl Fernández kam – eine Déjà-vu-Situation nach dem Vorfall in Barcelona.
Die überraschende reifenwahl: ein taktischer schachzug?
Die Entscheidung für den härteren Medium-Reifen kurzfristig war überraschend, insbesondere da Martín im freien Training mit beiden Mischungen gute Zeiten erzielt hatte. „Ich habe Daniele (Romagnoli, sein Techniker) gesagt, er soll mir den Medium aufziehen. Er hat gefragt, ob ich sicher sei. Aber ich habe gesagt, es ist sehr heiß und ich glaube, damit können wir besser fahren“, erklärte Martín. Er betonte, dass sein Fahrstil es ihm oft ermöglicht, härtere Reifen als andere zu nutzen, und dass die Temperatur hier eine größere Rolle spiele als der Verschleiß.
Martín rätselt selbst über seine Siegesserie mit dem Medium-Reifen: „Ob ich es glauben kann? Ich weiß es nicht. Aber zwei Siege mit dem Medium sagen schon etwas aus. Ich habe am Morgen und Nachmittag mit beiden Reifen gefahren, und die Unterschiede waren nur um eine Zehntel.“ Es scheine eher auf die individuellen Gefühle und das Setup des jeweiligen Fahrers anzukommen.

Einmal márquez, immer márquez: showdown auf der strecke
Auch wenn es ein kurzer Kontakt gab, blieb die Begegnung mit Marc Márquez in Erinnerung: „Ich habe in der ersten Runde gesehen, dass einer rein kommt, und ich habe sehr spät gebremst. Dann habe ich hochgeschoben und den Spalt genutzt, um mich dazwischen zu schieben. Es ist immer schön, Márquez auf der Strecke zu haben, weil man weiß, dass es Show gibt.“
Die Reifenstrategie von Martín – eine Kopie von Trackhouse? Es scheint, dass er sich von der Strategie des US-Teams inspirieren ließ, welche auf ähnliche Weise vorgegangen war. Die Entscheidung, auf den Medium zu setzen, erwies sich als Glücksgriff und brachte ihm den Sieg ein.

Selbstvertrauen aus dem gefühl, nicht aus dem ergebnis
Martín legt Wert darauf, dass Ergebnisse ihm kein Vertrauen geben: „Was mir Vertrauen gibt, sind die Gefühle mit dem Motorrad: Wenn ich bremsen und einlenken kann, wo ich will. Jede Runde gibt mir Vertrauen, und die Arbeit, die wir leisten, macht mich zum Zweitplatzierten.“ Er ist auf der Suche nach dem Gefühl, nicht nach dem Ergebnis.

Bezzecchi im visier: ein harter kampf im titelrennen
„Freunde sind wir nicht“, betonte Martín. „Das sagen wir immer, aber so ist es eben.“ Die Rivalität mit Bezzecchi ist unverkennbar, aber Martín weiß, dass es wichtig ist, vor ihm zu landen, auch wenn es nicht immer gelingt. „Am wichtigsten ist, dass wir am Tag, an dem es nicht klappt, klug sind und Punkte mitnehmen.“
Das Rennen am Sonntag wird zeigen, ob Martín seine starke Leistung vom Sprint in die Distanz übertragen kann. „Es ist genauso wichtig am Samstag wie am Sonntag. Aber am Sonntag gibt es doppelt so viele Punkte, das ist auch wichtig“, so Martín. „Wir müssen wie Pac-Man sein und alle Punkte einsammeln.“
Obwohl die Entscheidung für den Rennreifen noch aussteht, bleibt die Spannung hoch. „Es hängt von der Temperatur und den Gefühlen ab. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen den Reifen, und wenn man es schafft, den weichen Reifen nicht zu überhitzen, funktioniert er besser.“
Ein blick auf fernández: aprilia als lernfeld
Martín zeigte sich beeindruckt von der Leistung seines ehemaligen Teamkollegen Raúl Fernández: „Wir müssen die Daten anschauen. Er hat viel durchrutschen lassen. Ich habe versucht, konservativer zu sein, aber das Maximum herauszuholen. Wenn ich angegriffen habe, konnte ich 3-4 Zehntel zurückgewinnen. Er war schneller. Zum Glück ist er auf einer Aprilia, dann kann ich sehen, was ich verbessern kann.“
Martín äußerte sich nicht zu den Spekulationen um eine mögliche Vertragsverlängerung von Fernández bei Aprilia. „Ich bin nicht der Richtige, um darüber zu sprechen. Ich weiß nicht, was er oder Aprilia wollen.“
Mit einem weiteren Sieg in Mugello hat Jorge Martín seine Position im Kampf um die MotoGP-Weltmeisterschaft gefestigt. Die Frage ist, ob er seine beeindruckende Form auch am Sonntag bestätigen kann – und ob er dabei erneut einen taktischen Coup mit der Reifenwahl hinlegen wird.
