Marokko jagt brasilianer – diaz muss nun endlich treffen
Die Atlaslöwen haben die Gruppenführung selbst in der Hand, doch der Weg führt nur über eine Kanonade gegen Haiti. Brahim Diaz lieferte zwei Vorlagen, blieb aber bislang torlos – und genau das könnte der Unterschied zwischen Platz eins und zwei sein.
Brasilien liegt zwei tore vorne – marokko braucht einen run
Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Marokko, gewinnt Brasilien, steht es 6:6 Punkte. Dann zählt die Tordifferenz, und die spricht aktuell 5:3 für die Seleção. Ouahbis Mannschaft muss also mindestens dreimal zuschlagen und darf keinen Gegentreffer hinnehmen. Eine Gruppenphase verwandelt sich in eine Torjäger-Übung.
Die bisherige Bilanz liest sich wie ein Warnschuss: zwei Spiele, zwei Tore – beide von Bilal El Khannouss und jeweils von Abdelhamid Sabiri verwandelt. Die Offensive, in der normalerweise Diaz die Ankerrolle übernimmt, stottert. 14 Länderspieltore in 28 Einsätzen lautet der Fabelwert des Madrilenen, doch bei seinem ersten WM-Turnier ist bislang nur der Assist-Arm aktiv.

Diaspora-elf mit eiserner identität
Ten von elf Startelfspielern wurden im Ausland geboren – Spanien, Frankreich, Belgien, Kanada. Nur Azzedine Ounahi kam in Casablanca zur Welt. Trotzdem funktioniert die Maschine. Ein Kollektiv aus Versatzstücken, das sich in Rekordzeit zur Angstgegner-Nummer eins emporschraubte. Brasilien selbst spürte das im Eröffnungsspiel: 1:2, Saibari lässt Alisson alt aussehen.
Doch Ouahbi bleibt nüchtern: „Wir haben viele Zehner, Brahim kann überall spielen. Die Tore kommen, wenn die Bewegung stimmt.“ Die Bewegung stimmt, die Chancen auch – nur der Abschluss zählt noch nicht. Und die Zeit läuft.

Mourinho beobachtet, juventus lauert
Während Diaz in den Medien des Königreichs zum neuen Hakim Ziyech hochgejubelt wird, schaut der Fokus bereits Richtung Bernabéu. Mourinho muss entscheiden, wen er im Kader opfert. Vertrag bis 2027, Marktwert steigend – und Turin schnüffelt. Die Juve sieht im 25-Jährigen den idealen Doppelpasspartner für Koopmeiners. Doch zuerst muss er beweisen, dass er in der Lage ist, eine Nation im Alleingang ins Achtelfinale zu schießen.
Gegen Haiti, dem punktelosen Außenseiter, ist die Bühne bereitet. Die letzte Gruppenphase wird zur Schießbude. Diaz steht vor dem Tor seines Lebens – und vor dem ersten WM-Treffer, der vielleicht alles entscheidet. Ein Schuss, ein Lächeln, ein ganzes Land in Ekstase. Sonst droht das Nachspiel: Viertelfinale gegen Frankreich oder Argentinien. Keiner will das.
