Marokko bekommt den pokal, senegal trägt die schmach: afrika-cup-final-urteil sorgt für erdbeben

Es ist ein Nachspiel, das selbst erfahrene CAF-Funktionäre aufstoßen lässt. Marokko ist Afrika-Cup-Sieger – zwei Monate nach dem verlorenen Endspiel, null Tore, null Jubel, nur ein Fax aus Kairo mit offiziellem Siegel. Der Grund: Die senegalesische Mannschaft hatte sich in der 88. Minute demonstrativ in die Kabine abgesetzt, weil Schiedsrichter Mustapha Ghorbal einen umstrittenen Elfmeter für die Atlaslöwen pfiff. Als sie zurückkam, lief die Uhr bereits auf 103. Minute, das Spiel war längst unterbrochen, das Regelwerk aber klar: Abbruch wegen nicht absehbaren Spielverlaufs, nachträgliche Wertung zugunsten der Partei, die bereitstand.

Die szene, die alles zerlegte

Videoassistente zeigen rückblickend: Kontakt zwischen Koulibaly und Boufal war minimal, der Stürzer überspielt. Doch die Eskalation folgt in Echtzeit. Senegal-Kapitän Kalidou Koulibaly schreit ins Kameramikro: „Wir laufen nicht mehr, das ist Betrug!“ Sein Trainer klatspt dreimal in die Hände – das Signal für den Boykott. Die CAF-Technik zeigt leere Tribünenränge, weil auch Fans der Lions aus Protest blockweise das Stadion verlassen. Was danach passiert, ist ein Flickenteppich aus Halbwahrheiten: Pfiff Ghorbal ab? Gab es ein Ultimatum? Die Uhr blieb stehen, die Regeln aber nicht.

Die Statistik wird zur Farce: Ein Treffer für Senegal durch Sarr in der 75. Minute zählt offiziell nicht mehr, weil die Partie laut CAF-Protokoll nie regulär endete. Marokko hatte ursprünglich Einspruch eingelegt und zog vor das Sportgericht. Die Entscheidung fiel am Dienstag um 11:03 Uhr mit 3:2 Stimmen – die senegalesischen Delegierten verließen den Raum wortlos, die marokkanischen umarmten sich, ohne zu lächeln.

Fairness oder juristische schießbuden?

Fairness oder juristische schießbuden?

Die Reaktionen spalten den Kontinent. Sadio Mané twittert ein Bild von sich mit dem Pokal, dazu die Zeile: „Die Trophäe ist blank, meine Erinnerung nicht.“ Der senegalesische Sportminister kündigt Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof an und spricht von „kolonialen Strukturen in der CAF-Justiz“. Auf marokkanischen Radiosendungen feiern Anrufer den „Sieg der Disziplin“, während Analysten mit Kopfschütteln auf die leeren Straßen von Rabat verweisen – niemand hat Feuerwerkskörper gezündet, weil niemand dafür trainiert hatte.

Die FIFA blickt nervös, denn der Vorfall weitet sich: Spielerberater kalkulieren Prämienverluste in Millionenhöhe, Ausrüster ziehen Werbeflächen zurück, für die nun ein Champion posiert, der nie gejubelt hat. Die CAF selbst muss ihre Regelwerke überarbeiten, bislang fehlt ein Paragraf für den Fall, dass eine Mannschaft das Feld politischverlässt. Zeitrahmen: vier Wochen bis zur nächsten Sitzung – in einem Jahr, in dem Afrika bereits die Olympia-Quali vor der Brust hat.

Stefan Fischer, TSV Pelkum Sportwelt