Marco maier trägt bronze durch tränen: „mama, das war für dich“
Die Fahnen im Zielhang von Sestriere flatterten im warmen Föhnwind, doch Marco Maier spürte nur die Kälte der Abwesenheit. Zweimal Bronze, zweimal ein Hieb ins Herz. Der 26-Jährige aus Kirchzarten stand auf dem Podest, doch die eigentliche Siegerin saß nicht auf der Tribüne – nur ein Foto, zwischen Vater und Schwiegertochter, auf dem Platz, den seine Matter sich reserviert hatte.
„Ihr größter Traum war es, mich noch einmal live zu sehen“, sagte Maier, während die Nationalhymne verklang. Drei Sekunden Stille. Dann: „Das hat leider nicht geklappt.“
Ein jahr, das sein leben spaltete
Die Saison begann mit Geburt und Tod innerhalb weniger Wochen. Tochter Emilia erblickte das Licht, Krebs erlöste Mama Maier. Dazwischen lagen noch Magen-Darm-Infekt und Temperaturen von plus 14 Grad – für einen Steher kein Spaß, der auf Schnee und Eis lebt. „Ich bin in kurzer Hose gestartet, weil die Schneekristalle sonst klebten wie Kaugummi“, erzählt er. Die Konkurrenz lachte, bis er sie abhängte.
Im Sprint riss er 6,9 Sekunden vor dem Vierten ins Ziel, im Mitteldistanzrennen 4,2. Beide Male fehlten Finger an der linken Hand, beide Male fehlte die Stimme, die ihn früher vom Streckenrand aus angefeuert hatte. „Ich habe die Medaillen direkt nach dem Rennen nicht angefasst“, sagt er. „Erst beim Heimflug werde ich sie aus der Box holen – und Mama zeigen.“

Peking-silber war vorspiel – italien wird endspiel
Vier Medaillen hat er nun, doch die nächsten drei Rennen in Norditalien könnten die Bilanz auf sieben treiben. „Selbst diese Bronze war schon ein Bonus“, gibt Maier offen zu. Der Druck, den er sich selbst macht, heißt Momentum. „Ich will einfach nur noch genießen, Spaß haben und dann mal schauen, was passiert.“
Die Verbände reden schon von „historischem Gesamtsieg“, doch Maier redet lieber über Windeln und Sparpläne. „Emilia soll später wissen, dass Papa auch mal kurze Hose trug, wenn’s um Tränen ging.“
Am Freitag steht der Langlauf-Staffel-Start an. Wer weiß, vielleicht wird dann wieder ein Foto Platz nehmen – und eine fünfte Medaille. Die Mutter wird nicht da sein. Aber der Sohn läuft trotzdem weiter.
