March madness explodiert: 64 colleges, fünf italiener, ein einziger sieger

Um 17.15 Uhr Ortszeit fliegt in Dayton der erste Ball – dann ist Schluss mit lässig. Die 64 besten College-Teams der USA beginnen eine 19-tägige Odyssee, die am 6. April in Indianapolis endet. Zwischen diesen beiden Terminen kann alles passieren, weil in der March Madness nichts normal ist.

Im vergangenen Jahr zerplatzte jede Expertentabelle spätestens nach dem zweiten Spieltag. Heute wetten wieder 60 bis 100 Millionen Amerikaner auf den perfekten Tippschein – kein Mensch hat je alle 63 Partien richtig vorhergesagt. Die Quote liegt bei 1 : 9,2 Billionen, statistisch sicherer ist es, vom Blitz getroffen zu werden.

Warum die italiener diesmal mitmischen

Fünf Azzurri haben es geschafft, und das ist keine Fußnote mehr. Dame Sarr startet als Verteidiger für Duke, die Nummer eins im Land. In Gonzaga läuft Emmanuel Innocenti als Starter auf, Riccardo Greppi sitzt tief in der Rotation von Wisconsin, Michelangelo Oberti kämpft bei Penn um Minuten und Renè D'Amelio bringt Erfahrung von der Bank der California Baptist Lancers.

Sie alle spielen umsonst – zumindest laut NCAA-Regelwerk. Dank der NIL-Klausel (Name, Image, Likeness) kassieren Top-Stars aber locker zwei Millionen Dollar pro Saison. Die Kehrseite: Wer zu früh das College wechselt, um mehr Geld zu kassieren, verpasst oft den Sprung in die NBA. Die großen Programme werden größer, die kleinen Überraschungen seltener – aber sie kommen. Garantiert.

Cinderella sucht schuh

Cinderella sucht schuh

Jeden März adoptiert Amerika ein Underdog. Diesmal heißen die Kandidaten Santa Clara und Nebraska. Santa Clara kehrt nach 30 Jahren zurück – damals war Steve Nash noch Senior. Nebraska ist als Nummer-vier-Setzung zwar favorisiert, gewann in der Historie des Klubs aber noch nie ein einziges NCAA-Turnierspiel. Fred Hoiberg, ehemaliger Bulls-Coach, soll das ändern. Im Büro sitzt Luca Virgilio, Italiener und General Manager der Cornhuskers – Basketball ist längst global.

Die Locations lesen sich wie ein Who-is-Who der Sportgeschichte: Indianapolis hostet die Final Four, Purdue spielt nur 100 Meilen entfernt und bringt mit Braden Smith den besten Passgeber seit Bobby Hurley mit. 1.075 Assists in zwei College-Jahren – eine Zahl, die selbst NBA-Scouts nervös macht.

Die regeln der raserei

Die regeln der raserei

68 Teams starteten, vier mussten in den First-Four-Play-ins ran. Seit gestern stehen 64 auf der Matte, 15 Spieler pro Kader, 67 Partien, ein Turnier. Jede Partie dauert 40 Minuten, aber die Uhr stoppt erst, wenn das Herz der Zuschauer wieder ruhiger schlägt. Fernsehpartner ESPN rechnet mit durchschnittlich 10 Millionen Zuschauern pro Spiel – mehr als ein durchschnittliches NBA-Playoff.

In Italien läuft alles gratis auf DAZN, Highlights und Full Replays inklusive. Wer Mitternacht schläft, verpasst den Buzzer-Beater. Wer aufsteht, bekommt die Legende serviert.

Die zukunft ist schon vertreten

Die zukunft ist schon vertreten

Die ersten fünf Picks des NBA-Drafts 2026 stehen noch in der Schule. AJ Dybantsa (BYU) gilt als neuer Grant Hill, Cameron Boozer (Duke) schießt wie sein Vater Carlos, nur weiter. Darryn Peterson (Kansas) ist das größte Rätsel: physisch gewaltig, mental Zitterpartie. Wenn er erwacht, schläft Kansas. Wenn nicht, fliegt Kansas raus.

Kein Spieler trägt seinen Namen auf dem Rücken – nur das College auf der Brust. Das reicht, um ganze Staaten in kollektive Depression oder Ekstase zu versetzen. Die Studenten sind gleich alt wie die Zuschauer in der Mensa, die Alumni zahlen für Luxus-Sitze in der Arena und für neue Bibliotheken auf dem Campus. Die Gewinner sind die Universitäten, die Verlierer sind die, die glauben, sie hätten das System durchschaut.

Die Wette ist offen, die Kugel rollt. Indianapolis wartet, die Welt schaut. Und irgendwo zwischen Syracuse und Sacramento schreibt ein 19-Jähriger gerade seine eigene Geschichte – mit einem Dreier in letzter Sekunde und einem Scheck über zwei Millionen auf dem Handy. March Madness? Eine jährliche Lüge, die niemand missen will.