Maradona-prozess erneut verschoben: ärzte müssen länger auf freispruch oder haft bangen
Die argentinische Justiz verzögert den neuen Prozess um den Tod von Diego Maradona um fast einen Monat. Statt am 17. März muss sich das medizinische Betreuungsteam ab dem 14. April vor Gericht verantworten – mit einem deutlich geschrumpften Aufgebot.
178 Zeugen werden zu 90 – die hälfte der beweise fällt weg
Das Strafgericht von San Isidro gab gestern einer gemeinsamen Antrage von Staatsanwaltschaft und Nebenklägern statt. Konkret: Die wöchentlichen Verhandlungstage reduzieren sich von drei auf zwei, die Zeugenliste schrumpft massiv. Ein Signal, dass die Anklage ihre eigene Beweiskraft offenbar nicht mehr vollständig traut.
Betroffen sind der Neurochirurg Leopoldo Luque, die Psychiaterin Agustina Cosachov, der Psychologe Carlos Diaz, die Pflegekräfte Ricardo Almiron und Mariano Perroni sowie die Versicherungskoordinatorin Nancy Forlni und der Klinik-Arzt Pedro Di Spagna. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen – wegen angeblicher Behandlungsfehler nach Maradonas Gehirn-Operation im November 2020.
Die Autopsie hatte ein akutes Lungenödem als Todesursache festgestellt. Maradonas Herz wog 503 Gramm, doppelt so viel wie normal. Die Diagnose: dilatative Kardiomyopathie mit massivem Flüssigkeitsansatz im gesamten Körper. Doch reicht das aus, um sieben Mediziner strafrechtlich zu verurteilen?

Erstes verfahren kollabierte – richterin makintach flog raus
Das vorangegangene Verfahren war im Dezember 2023 von einem Berufungsgericht annulliert worden. Grund: schwere Verfahrensfehler der damaligen Richterin Julieta Makintach. Nun steht das neue Tribunal vor demselben Beweisproblem: Die Verteidigung wird erneut die medizinische Komplexität ins Feld führen – eine 60-jährige Ikone mit Vorerkrankungen, Drogenhistorie und einem Lebensstil, der jedes Herz in die Knie zwingt.
Die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass nicht das kaputte Leben, sondern das kaputte System Maradona umbrachte. Dafür braucht sie Zeugen, die exakt protokollieren können: Wer wann welche Warnzeichen ignorierte? 90 Menschen statt 178 – das ist kein strategischer Rückzug, das ist ein Offenbarungseid.
Für die Angehörigen bedeutet die Verzögerung erneut einen Schlag ins Gesicht. Der Tod von „El Pibe de Oro“ war für Argentinien mehr als ein medizinischer Vorfall – er war ein nationales Trauma. Jedes Mal, wenn sich die Gerichtstür wieder schließt, ohne dass ein Urteil fällt, wächst die Wut.
Am 14. April geht es los. Drei Jahre und fünf Monate nach Maradonas Tod. Die Welt schaut wieder nach Buenos Aires – doch diesmal könnte das Gericht die Ärzte entlassen, statt sie hinter Gitter zu bringen. Die Uhr tickt für die Staatsanwaltschaft. Und sie tickt laut.
