Mandragora trifft juve doppelt – vanoli feiert wertarbeit und stellt zukunft klar
Rolando Mandragora hat am 37. Spieltag der Serie A die alte Liebe gezielt traktiert: Mit seinem zweiten Traumtor gegen die Juventus binnen vier Tagen schoss er die Fiorentina auf europäische Kurs – und katapultierte sich in die Schlagzeilen, die er selbst vor sieben Jahren noch für Turin schreiben wollte.
Vanoli lobt gruppencharakter – und verlangt entscheidung auf höherem niveau
Trainer Paolo Vanoli ließ nach dem 2:0 im Allianz Stadium keinen Zweifel daran, wer den Erfolg möglich machte: „Rolli hat bewiesen, was Gruppe bedeutet. Er war enttäuscht, nicht von Anfang an zu spielen, hat die Wut aber in Energie verwandelt.“ Die Energie entlud sich in einem Linksschuss aus 22 Metern, der die Latte küsste und hinter Mattia Perin einschlug – 2:0, Endstand, Fiorentina springt auf Rang acht und hält Atalanta im Rücken. Vanolis Ziel heißt Conference League, doch der Coach redet bereits größer: „Die Zahlen sprechen für mich. Wenn ich bleibe, will ich Fiorentina wieder nach oben führen, nicht nur eine Saison retten.“
Der Knackpunkt: Der Sieg kommt ohne Auswärtsfans zustande, weil die Curva Fiesole wegen Pyrotechnik-Einsatz gesperrt ist. Die Spieler feiern trotzdem lautstark – und widmen den Dreier dem verletzten Fabiano Parisi, der nach einem Foul von Francisco Conceição mit dem Verdacht auf Kreuzbandriss vom Feld getragen wurde. Mandragora zeigte nach seinem Tor die Rückennummer 3 des Kollegen, Vanoli sprach von „einem symbolischen Akt für unsere Kultur“.

Juve muss sich fragen, ob sie 2016 zu früh aufgab
Die Vecchia Signora hatte Mandragora 2016 für 12 Millionen von Genoa gekauft, ihm aber nur 90 Minuten am letzten Spieltag 2018 gegen Verona gegönnt. Danach ging’s auf Leihbasis nach Udinese, dann fix nach Turin – diesmal ins gegnerische Lager. Mit zwei Treffern aus der Distanz büßt er die verlorene Zeit ein Stück weise ein. Juve-Coach Igor Tudor winkte nach der Partie ab: „Wir haben die Saison bereits abgehakt, jetzt zählt nur noch die Champions League.“ Für die Fiorentina zählt hingegen alles: Ein Sieg am letzten Spieltag gegen Monza genügt, um die Saison mit einem internationalen Ticket zu versiegeln.
Vanoli will sich nicht auf dieses eine Erfolgserlebnis reduzieren lassen: „Ich bin kein Feuerwehrmann, ich bin ein Entwickler. Wenn die Klubführung denkt, dass ich der Richtige bin, dann muss sie mir auch den Rahmen geben, um oben mitzuspielen. Sonst brauchen wir nicht weiterzureden.“ Die Entscheidung fällt in den nächsten zehn Tagen. Bis dahin trägt Mandragora seine Treffer wie Juwelen vor sich her – und weiß, dass er mit jedem weiteren Schuss die eigene Geschichte umschreibt.
