Maly boykottiert wm – petzold-sperre spaltet desg-team
Felix Maly schlägt zurück. Der Olympia-Dritte von Mailand verzichtet auf die Mehrkampf-WM in Heerenveen – aus Solidarität mit seinem Teamkollegen Fridtjof Petzold, den die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nach öffentlicher Kritik mit einem Startverbot belegt hat. Maly: „Ich nehme eine Nominierung nicht an.“ Der Satz, am Dienstagmittag per Pressemitteilung abgeschossen, lässt den Verband erzittern.
Der protest, der jetzt fahrt aufnimmt
Petzold hatte während der Spiele in Cortina die Athletenbetreuung der DESG als „katastrophal“ bezeichnet, die Förderstruktur als „undurchsichtig“. Die Antwort: sofortiges Startverbot, Status als Bundeskaderathlet gestrichen, Disziplinarverfahren droht. Maly findet: „Wenn öffentliche Kritik zu sportlichen Konsequenzen führt, ist das ein Problem – nicht nur für mich, sondern für jeden Leistungssportler.“ Seine WM-Absage ist der erste Fall von kollektivem Widerstand im deutschen Eisschnelllauf seit der Derbystar-Affäre 1992.
Intern herrscht Rätselraten. Sportdirektorin Jana Wernze schweigt, Präsident Matthias Großkopf ist auf „Dienstreise“ und nicht erreichbar. Die Athleten-Whatsapp-Gruppe kocht. Ein Kaderläufer, der anonym bleiben will, berichtet: „Wir haben einen Fragebogen herumgeschickt: Wer steht hinter Petzold? 80 % haben bislang zugestimmt.“ Das könnte sich zur Lawine entwickeln – am Wochenende steht der Weltcupfinale in Salt Lake City an.
Was die desg jetzt verlieren könnte
Sponsorenverträge im mittleren siebenstelligen Eurobereich enthalten Moralklauseln. Siemens-Gas-Turbines, Langlauf-Ski und die neue Co-Title-Partnerin, eine Münchener Versicherung, dürfen sich zurückziehen, wenn „das Ansehen des Verbands erheblich leidet“. Die Frist: fünf Werktage nach „negativer Schlagzeile“. Die erste Schlagzeile ist heute fällig. Die zweite folgt, sollte das Disziplinarverfahren gegen Petzold eröffnet werden – dann droht ihm auch ein Karriereende.
Malys Boykott kostet ihn persönlich rund 15.000 Euro Preisgeld und wertvolle Weltranglistenpunkte. Dafür bekommt er die Anerkennung der Kabine. „Ich bin auf faire, transparente und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen“, schreibt er – und setzt sich damit auf eine Stufe mit den großen Rebellen des deutschen Sports: mit Steffi Jones, die 1998 die DFB-Strukturen angriff, mit Kajetan Korth, der 2021 die Skiföderation kritisierte. Die Frage ist nur: Wie lange hält die DESG durch, bevor sie einlenkt?
Die WM in Heerenveen beginnt am Freitag, ohne einen der besten Allrounder. Die Uhr tickt – für Petzold, für Maly, für einen Verband, der plötzlich merkt, dass Startverbote keine Antwort auf Fragen sind, sondern neue erzeugen. Die Eisschnelllauf-Welt schaut auf Heerenveen – und wartet auf die nächste Runde im Machtkampf.
