Malagueta packt aus: „unser radrennsport ist tot – nur noch vier superstars regieren“

Malagueta ballert die Wahrheit in die Pedale. Beim Marbella Cycling Weekend, wo er sich nach 20 Jahren mit Dani Moreno undPurito wieder traf, sprach der einstige Spanien-Profilack ohne Netz: „Der Ciclismo, den wir kannten, gibt es nicht mehr.“

Der hase-und-igel-trick von früher

Er erzählt, wie sie nach Amateurrennen 50 Kilometer weit weggruppiert sind, um Bier zu kippen – und am nächsten Tag wieder Vollgas. „Komplett besoffen, aber startklar. So trainierten wir Erholung.“ Heute? „Da zählen Watt, Schlaftracker, Ernährungs-Apps. Die Jungs schauen sich Pogacar, Vingegaard, Evenepoel und Van der Poel an und glauben, das sei der Maßstab. Der Rest ist Staffage.“

Die Rechnung: 34.000 Kilometer im vergangenen Jahr auf seiner DASOI Master 50, 6.000 schon im März. „Ich lebe sehr gut, meine Betriebe laufen, ich fahre, weil ich Bock habe – nicht, weil ein Vertrag mich zwingt.“

Guerrero ist sein capo, movistar ein offenes kapitel

Guerrero ist sein capo, movistar ein offenes kapitel

Über Óscar Guerrero, seinen Ex-Sportdirektor, schwärmt er: „Der beste Mensch und Coach, den ich je hatte. Pech mit den Teams, aber Herz am rechten Fleck.“ Bei Movistar hingegen klingt Rache mit. „Ich fing als Pulpo-Fischer an, arbeitete Nachtschicht im selben Hotel, in dem wir jetzt feiern. Movistar war hart, doch ich wünsche ihnen heute Siege – wenn der Sport profitiert, bin ich dabei.“

Luis León Sánchez und Maté sind seine täglichen Zugpferde. „Wir rollen fast jeden Tag. Maté ist wieder glücklich, weil er auf Watt pfeift und auf Gefühl fährt. So muss das sein.“

Kein nachwuchs, keine stories, keine seele

Malagueta lacht schrill, wenn er an aktuelle Profis denkt. „Früher suchten wir das Abenteuer, heute sucht man den Windchatten von vier Überfliegern. Es gibt keine Malaguetas mehr – wir sind Museumsstücke.“

Sein Fazit fällt wie ein nasser Reifen auf Asphalt: „Der Sport, der Menschen verbindet, steckt in Marbella – nicht im WorldTour-Peloton. Solange Events wie dieses überleben, lebt auch unreine, ehrliche Leidenschaft. Der Rest ist Powerpoint.“