Dsv räumt auf: frauen-biathlon bekommt doppelspitze – mehringer und röiseland raus

Es ist nicht nur ein Personalwechsel, es ist ein Schlussstrich unter eine Saison, die weh tut. Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland müssen beim Deutschen Skiverband (DSV) das Handtuch werfen – die Frauen-Biathlon-Equipe erhält ein neues Trainer-Duo. Felix Bitterling, Sportdirektor, verkündete die Trennung unmittelbar nach dem letzten Rennen im ZDF. Die Begründung klingt nachvollziehbar, doch dahinter brodelt die Erkenntnis: Die deutschen Skijägerinnen haben den Anschluss an die Weltspitze verloren, und nun wird der Stab komplett neu geschmiedet.

Mehringer wechselt intern, röiseland will familie

Acht Jahre stand Mehringer an der Bande, sah Höhenflügen und den tiefen Fall der letzten Winter. Er soll künftig eine „sehr wichtige Position“ im Verband einnehmen – Details bleiben offen. Der Norweger Röiseland, seit 2022 an Bord, steht vor der Geburt seines zweiten Kindes. Bitterling nennt das „eine klassische Win-Win-Lose-Situation“: „Wir brauchen 100-prozentige Präsenz, er braucht Zeit zu Hause.“ Eine Rückkehr des 41-Jährigen ist laut Bitterling nicht vom Tisch, „aber nicht morgen“.

Die Entscheidung fiel bereits während der WM in Östersund, wie Athletenkreise verraten. Das interne Klima war angespannt: Ergebnisse blieben aus, das Team drohte zu zerfasern. „Wir haben zu oft mit der Brechstange agiert“, sagt eine Betreuerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen will. „Jetzt muss jemand her, der auch mal pfeift, wenn der Zug schon in Fahrt ist.“

Denise herrmann-wick fordert innovationskick

Denise herrmann-wick fordert innovationskick

Olympiasiegerin Denise Herrmann-Wick sitzt seit dieser Saison im ZDF-Expertengremium und hat klare Vorstellungen: „Wir müssen wieder sichtbar machen, wofür Deutschland steht: Präzision, Läufe auf höchstem Niveau, Mut in der Schlussphase.“ Gleichzeitig, so die 35-Jährige, brauche es „frisches Gedankengut, das Weltklasseathletinnen schon den nächsten Schritt gelehrt hat“. Gemeint ist: Ein Coach, der Laura Dahlmeier nicht nur hält, sondern auch schon eine Dorothea Wierer oder Lisa Vittozzi zur Krone geführt hat.

Intern kursieren Namen: Ex-Skijägerin Miriam Gössner, aktuell im DSV-Nachwuchs tätig, gilt als Kandidatin für ein Co-Training. Extern wirbt man verdeckt um Schwedens Frauenchef Johan Brink, der die Saison mit einem Rekordpokalsieg abschloss. Eine Entscheidung will der Verband „in den kommenden vier Wochen“ verkünden – kurz vor dem ersten Sommercamp auf der Zollernalp.

Die Athleten reagieren erleichtert. „Wir brauchen Ruhe und gleichzeitig einen Kulturwandel“, sagt Benedikt Doll, der als Mixed-Coach auch die Damen betreut. Die Zahlen sprechen für sich: Kein Einzelsieg in 28 Weltcup-Rennen, nur drei Podestplätze, Schlusslicht in der Nationenwertung. „Wenn wir so weitermachen, fahren wir 2027 in Antholz nur zur Teilnahme“, sagt Doll. „Und das ist für den Standort Deutschland einfach zu wenig.“

Die Uhr tickt. Die ersten Schneetests beginnen in 150 Tagen. Wer dann die Bahnen in Ruhpolding unsicher macht, entscheidet sich in einer Krisensitzung am 8. April in Frankfurt. Eines ist sicher: Die neue Doppelspitze muss sofort liefern – sonst wird der nächste Winter zur Geduldsprobe für Athleten, Verband und Fans. Die Klinge der Konkurrenz ist bereits geschärft.