Mainz 05 steht vor historischem conference-league-sprung – nur noch 90 minuten trennen den fsv vom halbfinale
Die Nullnummer in Mainz war ein Schock für Racing Straßburg, das 2:0 im Mewa-Forum ein Debakel. Jetzt reicht dem FSV ein einziges Tor in Frankreich, um erstmals ein deutscher Klub in das Halbfinale der jungen Conference League zu führen. Kein Bundesligist schaffte das bisher – nicht Union, nicht Köln, nicht Frankfurt, nicht einmal Heidenheim mit seinem Märchenlauf.
Warum mainz diese serie endlich reißen kann
Die Antwort steckt im Rückspielplan von Trainer Urs Fischer. Seit seiner Rückkehr auf die Bank stabilisierte sich die Defensive, die in den letzten vier Pflichtspielen nur noch einen Gegentreffer kassierte. Dazu kommt die mentale Wucht des 2:0: Straßburg muss mindestens dreimal einschießen, ohne zu kassieren. Eine Mission, die das Team von Patrick Vieira in dieser Saison erst einmal in 90 Minuten schaffte – gegen Drittligist Valenciennes im Pokal.
Die Mainzer Startelf wird sich nur auf einer Position verändern: Philipp Tietz dürfte wieder von Beginn an laufen. Der Angreifer, in der Liga schon siebenmal erfolgreich, glänzte gegen Olmütz mit einem Doppelpack und ist in der Lage, durch ein frühes Tor die Luft aus dem Stade de la Meinau zu nehmen. Dahinter sichert Leandro Barreiro das Zentrum ab, der Luxemburger lief bereits 51 Europapartien für den FSV und kennt die kleinen Tricks, um Spielzeit zu schinden und Rhythmus zu bremsen.

Deutschlands bisherige conference-league-pleiten
Die Liste der frühen Ausscheider liest sich wie ein Lehrbuch darüber, wie man europäische Spiele nicht managt. Union Berlin 2021/22: Gruppenphase, 3 Punkte. Köln 2022/23: Gruppenphase, 8 Punkte. Frankfurt 2023/24: Play-off gegen Union St.-Gilloise, 2:2 auswärts, 1:2 daheim. Heidenheim 2024/25: Play-off gegen Kopenhagen, 2:1 auswärts, 1:3 n.V. zu Hause. Kein Klumpen, sondern eine Serie von Einzelpatzern, die Mainz nun korrigieren will.
Die Cifre, die den Unterschied macht: Mainz erzielte in dieser Saison 13 Tore aus dem zweiten Durchgang, nur Real Betis (15) traf später öfter. Genau dieses Mittel könnte Straßburg treffen, das in der Ligue 1 bereits acht Gegentore nach der 75. Minute kassierte. Wenn es eng wird, haben die Rheinhessen also eine Gangart mehr.

Was im halbfinale wartet – und warum der fsv jetzt schon gewinnt
Sollte Mainz die Hürde nehmen, trifft man auf den Sieger des Duells Rayo Vallecano – AEK Athen. Die Madrilenen gewannen das Hinspiel 3:0, doch der spanische Untergrundklub ist weit entfernt von der Power Barças oder Madrids. Ein machbarer Gegner, der die Träume von ganz Rheinland-Pfalz weiter befeuern würde.
Doch selbst wenn das Wunder doch noch ausbleibt, hat der FSV bereits jetzt etwas geschafft, das sich nicht mehr nehmen lässt: Mainz 05 ist der erste deutsche Club, der ein Conference-League-Viertelfinale erreicht. Für einen Verein, der vor zwei Jahren noch um den Klassenverdampfer zitterte, ist das mehr als ein Fußnote. Es ist die Bestätigung, dass kluge Planung, mutige Transfers und ein Trainer mit europäischer DNA eben doch weitertragen als ein einzelnes Pokalglück.
Die Reise nach Straßburg ist also keine 6.000-Seelen-Kneipe mehr, sondern der letzte Schritt vor dem ganz großen Bühne. Und wenn die Mainzer Fans am Donnerstagabend „Oh wie ist das schön“ anstimmen, wissen sie: Ein Tor genügt, und die Conference League bekommt endlich deutsche Akzente.
