Mailand baut ein eis-monster: 4000 plätze, oktober fertig – und eine krypto-firma zahlt

Mitte Oktober steht ein 4000-Zuschauer-Tempel aus Stahl und Kälte am Südeingang der Fiera Rho. Kein Schnickschnack, keine Kristallarchitektur – nur pure Eishockey-Luft, die sich in Mailand noch nie so kalt angefühlt hat. Giovanni Bozzetti, Präsident der Fondazione Fiera, wird am Dienstag den Grundsteinplan vorlegen. Dabei: Andrea Gios, Chef von Federghiaccio, Attilio Fontana, Präsident der Lombardei, und Bürgermeister Giuseppe Sala. Vier Männer, ein Ziel: den Eis-Mangel der Stadt mit einem improvisierten, aber hochfunktionalen Palazzetto zu lösen – und gleich eine Profimannschaft in der mitteleuropäischen ICE-Liga zu starten.

Die baulücke neben dem nh-hotel wird zur eiswüste

Der Standort ist kein Zufall. Zwischen U-Bahn-Station Rho-Fiera und den ehemaligen Olympia-Anlagen liegt ein Stück ungenutztes Gelände, zählbar auf Fieraboden, aber außerhalb der Hallen. Dort entsteht eine temporäire Hütte mit NHL-konformer Platte, 60 x 30 Meter, plus Trainingslane für Short-Track und Kunstlauf. Die Uhr tickt: Bauantrag liegt, Genehmigung steht kurz bevor, Fertigstellung 15. Oktober. Die Kosten: rund 18 Millionen Euro, finanziert über Region, Kommune und einen privaten Konsortiumspool – halb Leitner-Geld, halb Krypto-Kapital.

Hinter dem Vorhang arbeiten zwei Partner, die ungleicher nicht sein könnten. Die Südtiroler Intercom-Gruppe der Familie Leitner aus Vipiteno liefert über ihre Tochter Realice die Kältetechnik. Die US-Firma House of Doge, bislang eher bekannt für Tokens und NFTs, schiebt den Cash-Flow. Das seltsame Paar hat bereits Erfahrung: House of Doge co-finanzieren die Triestina Calcio und den HC Sierre in der Schweizer NLB. Beide Clubs stehen unter laufender Staatsanwaltschaftsuntersuchung wegen möglicher Geldwäsche. Kein Wort dazu fällt in Mailand – man will „nur Eis“.

Chris mcsorley, 64, soll das team formen

Chris mcsorley, 64, soll das team formen

General Manager, Sportdirektor und Kopf des neuen Klubs: Chris McSorley, Kanadier, Bruder der NHL-Legende Marty McSorley. Er baute Genf und Lugano zu Meistern, trainierte England, kennt europäisches Eishockey wie kein Zweiter. Sein Budget: sechs Millionen Euro pro Saison. Das reicht für zwölf Import-Spieler, ein slovakisches Top-Trio und einen italienischen Block um die Nationaltorhüter. Die Lizenz für die ICE ist beantragt, Entscheidung im Juni. Geht alles glatt, startet Mailand am 18. September auswärts in Wien. Das erste Heimspiel winkt am 2. November – dann rollt der Schwarz-Rote (Arbeitstitel) über das frische Eis von Rho.

Der Name? Noch offen. Die Farben? Schwarz-Rot mit silbernem Milan-Querstreifen, um die Fußball-Tradition zu zitieren. Die Tickets? Ab Juli im Vorverkauf, Dauerkarte 280 Euro, Stehplatz 15 Euro, Familienpaket 49 Euro. Die Stadtverwaltung rechnet mit 150.000 Zuschauern in der Premierensaison – allein schon, weil Mailand seit 1986 kein eigenes Eisoberhaus hatte. Die Nachfrage nach Bahnzeiten für Schulklassen und Freizeitläufer ist bereits jetzt dreimal höher als die Kapazität. Die Botschaft: Wer zuerst kommt, mahlt das Eis.

Die Uhr tickt laut. Die erste Scheibe muss noch gefroren werden, doch die Liga will ein italisches Großstadtteam. Die Politik will Olympia-Erbe. Die Investoren wollen Rendite. Und die Fans? Die warten schon mit dicken Jacken. Wenn im Oktober die Lichter angehen und das Eis glänzt, wird Mailand ein neues Kapitel aufschlagen – geschrieben mit Kufen statt mit Füßen.