Maiers bronze-krimi: 0,2 sekunden retten deutschen sprint-zauber

Marco Maier hat Tesero im Schwitzen. 7,5 km Biathlon-Sprint, stehende Klasse, 26 Grad im Schatten – und der 26-Jährige trägt kurze Hose. Kein Schleifen, kein Nachjustieren, nur ein einziger Atemzug vor jedem Schuss. Er schießt null Fehler, bleibt damit der einzige Deutsche ohne Strafrunde, und das reicht für Bronze – um 0,2 Sekunden. Die Zuschauer verlieren die Stimme, die Uhr aber behält sie.

Die kälte kam aus dem lauf

SV Kirchzarten schickt seine Nummer eins ins Rennen, Maier startet als Favorit aufs Podest, aber nicht auf Gold. Die beiden Chinesen Cai Jiayun und Liu Xiaobinlaufen Weltrekordtempo, beide ebenfalls fehlerlos. Zwischen Liu und Maier klaffen 28,8 Sekunden – eine halbe Ewigkeit auf der Strecke, ein Hauch auf der Uhr. DBS-Coach Andreas Fischer ballt die Faust, als Maier ins Finish stürmt: „Er hat das Ziel gesehen und sich selbst übertroffen.“

Hinter ihm schlittert Norwegens Nils-Erik Ulset auf Rang vier. Ulset braucht eine Strafrunde, kommt aber trotzdem bis auf 0,2 Sekunden heran. Die Deutsche Behindertensportjugub twittert nur ein Wort: „Kopfsache.“ Maier selbst atmet durch, als hätte er die Hitze ausgekocht: „Ich wusste, dass null Fehler reichen können. Dass es so knapp wird, macht das Metall nur glänzender.“

Doppel-podium für deutschland

Doppel-podium für deutschland

Zuvor hatte schon Anja Wicker in der sitzenden Klasse Bronze geholt. Das Duo sorgt für die erste deutsche Doppel-Medaille seit Pyeongchang 2018. Für Maier ist es die dritte Paralympics-Medaille, die erste nach seiner Silber-Relay-Krise von Peking. „Die Shorts waren kein Gag“, lacht er, „die Sonne hat mir die Beine gegrillt, aber die Seele gekühlt.“

Alexander Ehler und Steffen Lehmker landen auf neun und 13 – ohne Podest, aber mit Perspektive. Ehler feuert zwei Strafrunden ab und schafft trotzdem Platz neun. Lehmker liefert die beste deutsche Laufzeit, scheitert aber am Schießstand. Trainer Fischer zieht Bilanz: „Wir wollten zwei Medaille, wir haben zwei Medaille. Der Rest ist Schießtraining und Sommerschnee.“

Mit Bronze im Gepäck fährt Maier direkt ins Athletendorf. Die deutsche Flagge klebt noch auf seiner Brille. „0,2 Sekunden sind kein Abstand, das ist ein Atemzug“, sagt er. „Und Atem hat mir heute Sports geholt.“