Mahé lüftet den veszprém-plan: warum berlin in der hölle zittern muss
Kentin Mahé kennt beide Seiten. Er weiß, wie es ist, in der Veszprém-Arena vor 5.000 Ungarn zu spielen – und er weiß, wie es ist, für die Füchse Berlin in der Champions League zu gewinnen. Jetzt, kurz vor dem Viertelfinale zwischen seinem aktuellen Club und seinem Ex-Arbeitgeber, packt der Franzose aus. Seine Prognose: 70:30 für Berlin. Aber nur, wenn die Füchse in Ungarn überleben.
Die rote wand, die alles verändern kann
„Das wird für die Füchse eine Bombenstimmung gegen eine rote Wand“, sagt Mahé im Gespräch mit handball-world. Gemeint ist nicht nur die choreografierte Kulisse der Veszprém-Fans, sondern die emotionale Wucht, die von den Rängen trägt. „Wenn die Halle kocht, der Torhüter zwei, drei Bälle reißt und die Ungarn in einen Rausch kommen, kann das Hinspiel schon entschieden sein.“
Mahé hat es selbst erlebt: Ein 0:4-Lauf, ein angeheizter Mob, ein Gegner, der plötzlich alles trifft. „Dann hilft kein Videoanalyse-Bölk mehr. Dann musst du nur noch rennen und hoffen, dass das Spiel irgendwann wieder runterkommt.“

Warum veszprém nur noch diese eine tasse trinkt
Der Klub hat die Meisterschaft abgehakt, die Liga nur noch Pflichtprogramm. Alles zielt auf das Final Four, das seit vier Jahren ausbleibt. Mahé: „Die haben nichts zu verteilen, nur zu holen.“ Das merkte schon Paris Saint-Germain im Achtelfinale. Nach dem 26:30 in der eigenen Halle reiste Veszprém mit dem Messer zwischen den Zähnen nach Frankreich – und schaltete den französischen Serienmeister mit einer 27:21-Defensivschlacht aus.
Genau diese Abwehr, so Mahé, sei der zweite Grund, warum Berlin hellhörig werden muss. „Die stehen nicht mehr nur rum und warten auf den Gegner. Die stören schon in der ersten Welle, laufen jeden Kreisläufer zu Boden und haben mit Röd einen Torhüter, der aus dem Stand eine 35-Prozent-Saison spielt.“

Tempo, rollenklarheit und der vorteil des außenseiters
Warum trotzdem die Füchse? Mahé zählt drei Punkte auf. Erstens: Tempo. Berlin kann sich über 60 Minuten auf hohem Niveau beschleunigen, Veszprém brauche Phasen der Kontrolle. Zweitens: Rollenklarheit. Bei den Füchsen wisste jeder, wann er zu schießen hat und wann nicht. In Ungarn stören sich noch einige Stars um den Platz im Raster. Und drittens: Entlastung. Weil Berlin die Bundesliga abgehakt hat, bleiben zwei freie Wochen pro Monat für Handball-Schach.
„Die Füchse können sich in jede Trainingseinheit reinkämpfen, ohne am Wochenende noch mal 90 Minuten Vollgas geben zu müssen. Veszprém dagegen muss jeden Samstag in Szeged oder Tatabánya punkten, weil die Meisterschaft zwar egal, aber nicht peinlich werden darf.“
Am Ende bleibt die simple Rechnung: Überlebe Berlin die „rote Wand“, holt sich das Kollektiv von Jaron Siewert mit der besseren Bank und der klareren Marschroute den Einzug. Versinkt die Mannschaft aber in der Veszprém-Emotion, droht schon nach dem Hinspiel der K.o. Mahés Fazit: „Wenn wir nach 60 Minuten in Ungarn nicht mindestens ein Tor Vorsprung haben, wird es in der Max-Schmeling-Halle ganz, ganz eng.“
