Magdeburg zwingt füchse in 60 minuten auf die knie – saugstrup lacht über den pokal

35:33 – die Zahlen flimmern nur Sekunden über die Anzeigetafel, doch sie lügen nicht. SC Magdeburg hat das Topspiel gegen die Füchse Berlin gedreht und dabei bewiesen, warum nur noch Mathematik und nicht mehr Moral die Meisterschaft verhindern kann.

Magnus Saugstrup, dänischer Kapitän und Kreisläufer mit Schultern wie ein Eichenportal, traf neunmal. Drei seiner Tore fielen in der Schlussphase, als Berlin bereits dachte, den Rückstand sicher über die Zeit retten zu können. „Wir hören nie auf zu spielen“, sagt er nach Abpfiff und klingt dabei so lässig, als hätte er gerade ein Freibier eingestrichen, nicht die Liga angeführt.

Dejan milosavljev war eine mauer – bis die mauer risse bekam

Die ersten vier Siebenmeter prallten an Dejan Milosavljev ab, die Halle verstummte, Berlin jubelte sich schon die Seele aus dem Leib. Doch Magdeburg schüttelte sich wie ein nasser Hund und wechselte die Strategie: Statt draufzuhalten, ließen sie den Ball laufen, bis sich Lücken auftaten. Die entstandenen Lücken fraß Saugstrup wie Butterbrote. „Zum Glück nur Fehlwürfe“, sagt er und meint damit, dass Chancen produzieren wichtiger sei als Chancen verwandeln – ein Satz, den man so nur von jemandem hört, der am Ende doch trifft.

Der Heimvorteil? Laut Saugstrup „ein Extraspieler“. Die Anlage in Magdeburg ist ein Kessel, in dem selbst Routinierte wie die Füchse kurz den Dampf verlieren. 7.000 Leute, jedes Tor ein Donnerschlag, jedes Pfiff ein Orkan. Berlin kam noch heran auf 32:33, doch dann legte Gidsel den Zwei-Tore-Vorsprung vor – und die Füchse hatten ihren letzten Biss verschenkt.

Meisterschaft? noch kein einziger spieler hat den sekt kaltgestellt

Meisterschaft? noch kein einziger spieler hat den sekt kaltgestellt

Sieben Punkte Vorsprung, acht Spiele noch, Tendenz steigend. Trotzdem schickt Saugstrup eine klare Ansage in Richtung Meister-Gratulation: „Wir nehmen nie etwas an, bevor wir sicher sind.“ Das ist keine Standard-Phrase, das ist Mentalität. In der Champions League warten Barcelona und Co., im Pokal lauern erneut die Füchse. Noch ist nichts geholt, außer vielleicht die Gewissheit, dass Magdeburg in der Lage ist, auch an schlechten Tagen zu gewinnen.

Die Füchse verlassen die Halle mit hängenden Köpfen, aber auch mit der Erkenntnis: Wer die Meisterschaft will, muss hier in Magdeburg nicht nur mithalten, sondern überholen. Und das gelingt in dieser Saison bisher niemandem. Die nächste Runde ist schon gezeichnet – vielleicht wieder gegen Berlin. Saugstrup zuckt mit den Schultern: „Möglich. Aber das reden wir, wenn die Zeit kommt.“

Bis dahin zählt nur eins: Magdeburg spielt, Magdeburg gewinnt, Magdeburg lässt die Liga hinter sich. Der Rest ist Rauschen.