Magdeburg wackelt, magdeburg gewinnt – doch die krise bleibt

27:25 hieß es am Ende, aber das Ergebnis lügt. Der Tabellenführer SC Magdeburg schlurfte in Solingen davon, als hätte er einen K.o.-Sieg geholt – tatsächlich aber war er 53 Minuten lang der Gejagte. Der Bergische HC führte 23:22, und plötzlich lag der große Favorit mit dem Rücken an der Wand.

Claar rettet die westentaschen-version des scm

Felix Claar, lange nur Ergänzsspieler, wurde zum Notnagel. Zehn Treffer steuerte der Schwede bei, drei davon in den letzten sieben Minuten. Ohne ihn wäre Magdeburg womöglich mit leeren Händen in die Länderspielpause gegangen. „Ein Felix in dieser Verfassung ist unglaublich schwer zu verteidigen“, sagte Trainer Bennet Wiegert, der sich mit derlei Superlativen sonst spart.

Doch die Heldenstory trügt. Denn hinter dem knappen Sieg bahnt sich ein Problem an, das größer ist als zwei verlorene Punkte. Magdeburg ist in der Champions League abgestürzt – 26:34 gegen Paris, 29:36 gegen Barcelona – und nun auch im Liga-Alltag nur noch ein Schatten jener Mannschaft, die zu Jahresbeginn für Spektakel sorgte.

Superstars laufen sich fest – und das merkt der gegner

Superstars laufen sich fest – und das merkt der gegner

Gisli Kristjansson kam auf zwei Treffer, Omar Ingi Magnusson brauchte neun Versuche, sechs davon vom Siebenmeterpunkt. „Gisli war annähernd abgemeldet, Omar hat sich extrem schwergetan“, sagte Wiegert und versuchte, die Worte locker aussprechen zu lassen. Klappte nicht. Denn der BHC hatte offensichtlich gelesen, wie man Magdeburgs Top-Torjäger lähmt: Kristjansson früh decken, Magnusson mit physischer Härte aus dem Rhythmus bringen.

Die Folge: ein Offensivpoker, der plötzlich nur noch auf Claar zielte. Das reicht gegen Solingen, reicht es aber auch am 28. März gegen die Füchse Berlin? Dann gastiert der Tabellenzweite in der GETEC Arena, und ein Sechs-Punkte-Polster kann bei einer Niederlage schmelzen wie Aprilkälte.

Magdeburg atmet durch, aber die Luft wird dünner. Die Länderspielpause ist kein Freibrief, sondern ein letzter Atemzug vor dem Endspurt. Wer jetzt glaubt, der Meister fahre entspannt Richtung Titel, hat die letzten 60 Minuten nicht gesehen. Der BHC hat den SCM enttarnt – und Berlin wird sich die Filmaufnahmen zweimal ansehen.