Magdeburg bricht ein – und der boss spricht von „durchhängen“

Der SC Magdeburg war monatelang die unschlagbare Macht im europäischen Handball. Dann kam Kiel, danach Barcelona, danach Paris – und plötzlich wirkt der Meister wie ein Boxer, der nach zu vielen Runden mit den Fäusten vor dem Gesicht steht.

Marc-Henrik Schmedt, Geschäftsführer des SCM, sagt es offen: „Wir hängen ein bisschen durch.“ Keine Ausrede, nur eine Diagnose. 19 Profis im Kader, 13 von ihnen waren bei der EM im Einsatz. Drei-Tages-Rhythmus, Nationalteam, Liga, Champions League. Der Körper schreit Pause, der Kopf auch.

Die weiße weste riss in drei minuten

Am 15. Februar kassierte Magdeburg in Kiel die erste Pleite der Saison – 29:31. Die 29 Treffer reichten nicht, weil der THW in der Schlussphase zwei Gegenstoß-Tore in Serie nahm. Seitdem läuft nichts mehr wie am Schnürchen. In der Bundesliga zitterte sich der Tabellenführer mit 26:25 in Stuttgart und 28:27 gegen Lemgo. In der Champions League folgten zwei Klatschen: 29:36 gegen Barcelona, 26:34 gegen Paris.

Trainer Bennet Wiegert versucht, Erschöpfung als Erklärung zu verbannen. Er wechselt früher, fordert mehr Tempo, schreit sich heiser. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Gegen Barça und PSG kassierte Magdeburg in 120 Minuten 70 GegenTreffer – so viele wie in den vier CL-Spielen zuvor zusammen.

Schmedt ruft das endspiel aus

Schmedt ruft das endspiel aus

Nächsten Samstag, 16.05 Uhr, empfängt der SCM die Füchse Berlin. Schmedt nennt es „vorentscheidend für die Meisterschaft“. Berlin liegt zwei Punkte dahinter, hat aber ein Spiel weniger. Wer gewinnt, legt sich die Schärfe für das Finale schon mal zurecht. Die internationalen Stars sind wieder weg – Mathias Gidsel zu Dänemark, Lukas Mertens zur deutschen Rotation, Žiga Mlakar nach Slowenien. Sie kommen zurück mit neuen Eindrücken, aber ohne Urlaub.

Schmedt will die Pause nutzen, um „etwas anderes“ zu sehen. Gemeint ist: keine Handballhalle, kein Video, kein Kreis. Vielleicht ein Waldlauf, vielleicht ein Familienbrunch. Die Frage ist nur, ob eine Woche reicht, um Batterien wieder auf Vollast zu bringen, die seit September auf Sparflamme laufen.

Magdeburg ist noch Erster, aber die Maschine dampft. Wer jetzt nicht gewinnt, riskiert, dass die Saison plötzlich doch noch nach hinten losgeht. Und dann war die weiße Weste nicht nur ein Stück Stoff – sondern das letzte Andenken an eine Epoche, die längst vorbei ist.