Madrid zittert im leeren palacio: hezonja ruft „endspiel“ gegen tel aviv

Ohne Tamburins, ohne Rausch – dafür mit dem Messer zwischen den Zähnen: Der Real Madrid empfängt am Dienstag (21.00 Uhr) im Movistar Arena den Hapoel Tel-Aviv, und wer denkt, das sei nur ein weiterer Euroleague-Abend, hat die Rechnung ohne die Tabelle gemacht. Bei einer Niederlage würde der Champion aus dem Vorjahr auf Platz elf rutschen, drei Runden vor Schluss ein Grab, aus dem man sich selten noch buddelt.

Scariolo schickt sos: „vollgas oder taxi nach hause“

Sergio Scariolo hat seine Spieler am Montag um 7.00 Uhr auf dem Parkett versammelt, keine Taktiktafel, nur ein Zettel mit Zahlen: 5-11 lautet die Auswärtsbilanz, 15-1 die Heimstatistik. „Wir sind ein Kastell mit offenem Tor“, sagte der Italiener. „Nur Panathinaikos hat hier gewonnen. Das soll kein Trost sein, sondern ein Warnschuss.“ Die Mannschaft antwortete mit Schweigen und anschließend mit einem 5-gegen-5-Spiel bis zur Erschöpfung. Mario Hezonja, dessen Dreierquote seit drei Wocien bei 28 % stagniert, schmetterte den Ball ans Brett: „Wenn wir jetzt nicht liefern, fliegen wir zu Hause schon in den Urlaub.“

Die Israelis reisen mit einem Gepäck voller Stars an. Vasilije Micic, frisch aus der NBA, liefert seit Januar 19,4 Punkte im Schnitt, Elijah Bryant trifft aus dem Corner wie aus dem Automaten. Dimitris Itoudis, einst bei ZSKA Moskau gefeierter Taktik-Nerd, lässt seine Mannschaft nicht einmal beim Warm-up ungestraft den Ball fallen – jeder Fehler wird mit Sprint bestraft. „Die haben die Euroleague neu gemalt“, sagt ein Scout des Madrilenen. „Sie spielen nicht wie Debütanten, sie spielen wie Erben.“

Palacio sin alma: 15.000 stille für 40 minuten irrsinn

Palacio sin alma: 15.000 stille für 40 minuten irrsinn

Die Delegación del Gobierno bestätigte am Sonntagabend: Das Spiel findet ohne Zuschauer statt. Sicherheitsstufe 4, keine Ausnahmen. Schon im Januar gegen Maccabi war das Haus leer, damals siegte Madrid 89-78, doch die Echos hallen noch nach. „Man hört den Herzschlag des Gegners und das Knirschen der Sneaker“, erinnert sich Facundo Campazzo. „Das kann dich zerreißen oder retten – je nachdem, wie laut dein Kopf ist.“

Für die Mathematiker unter den Fans: Ein Sieg würde den basketaverage-Vorteil (75-74 aus dem Hinspiel) festigen und Madrid auf Rang drei katapultieren. Eine Niederlage bedeutet Platz elf und ein Restprogramm mit Fenerbahce, Olympiakos und Baskonia. „Dann brauchst du keinen Rechner mehr, sondern ein Wunder“, sagt Sportdirektor Carlos Sánchez. Die Buchmacher sehen die Blancos dennoch leicht vorne: 1,60 gegen 2,40 – ein Kurs, der mehr vom Namen als von der Form zeugt.

Um 20.55 Uhr wird das Licht gedimmt, der Ball nach oben geworfen. 40 Minuten später wissen wir, ob Madrid noch Träume hegt – oder ob der Titelverteidiger vorzeitig in den Play-off-Abgrund stolpert. Scariolo hat seine letzte Botschaft an die Mannschaft geschickt: „Wenn ihr rausgeht, denkt nicht an die Tabelle. Denkt an das Geräusch, das entsteht, wenn Stille siege.“