Madrid und granada kollidieren im kampf um den jugend-thron

Am Mittwoch um 20:30 Uhr schlägt in Alcalá de Henares die Stunde der Wahrheit: Real Madrids U-19-Sturm auf die Copa de Campeones trifft auf Granadas Feuerwerk der Selbstüberzeugung. Nur eine Generation darf weiterträumen.

Der favorit zittert noch nach

Die Madrilenen bügelten das Achtelfinale gegen Athletic nur dank des 2:0 aus dem Hinspiel. In Bilbao kassierten sie eine 0:1-Heimschlappe und rutschten mit blanken Nerven ins Halbfinale. Trainer Álvaro Arbeloa rechnet offen mit dem Valencia-Trauma von 2024 ab, als ein spätes 1:2 den Endspiel-Traum zerriß. Diesmal hat sein Angriffsduo Jaime Barroso und Carlos Diez die Liga mit 13 Punkten Vorsprung dominiert – ein Vorsprung, der in der Geschichte der División de Honor Juvenil nur dreimal größer war.

Doch die Zahlen trügen. Hinter dem Punkterekord steckt eine Defensive, die in den letzten fünf Pflichtspielen vier Gegentore kassierte – so viele wie in den 18 Spielen davor zusammen. Die Lücke zwischen Anspruch und aktueller Form ist der Grund, warum der Klub intern von „Semifinal-Paralyse“ spricht.

Granada spielt sich frei

Granada spielt sich frei

Währenddessen fegte der Andalusier mit 4-2-Toren über den Titelverteidiger Valencia hinweg und schickte damit genau jene Mannschaft nach Hause, die Madrid im Vorjahr aus dem Rennen warf. Die Rojiblancos lieferten sich mit Betis ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich erst im direkten Vergleich entschied: 80 Punkte, gleiche Siege, aber das 3:1 im Benito Villamarín verlieh Granada die Krone. Trainer José Manuel Vázquez ließ nach dem Viertelfinalsieg durchblicken: „Wir haben nichts zu verlieren – außer unserer Geschichte.“

Die Geschichte, die er meint, ist dünn: Kein anderes Team aus der obersten Jugendkategorie schaffte es in den letzten zwölf Jahren ohne vorherige Nationaltitel-Erfahrung bis ins Final-Four. Die letzte Überraschung dieser Größe datiert von 2012, als Celta den FC Barcelona ausschaltete.

El val wird zur gluthölle

El val wird zur gluthölle

8.000 Plätze, alles stehende Welle. Das Stadion an der Avenida de Meco war ursprünglich für die Rugby-Europameisterschaft gebaut, doch die Akustik treibt jeden Schrei direkt auf die Haut der Spieler. Wer hier zuerst trifft, gewinnt die letzten neun Halbfinals – eine Serie, die seit 2015 hält. Die Frage ist nicht, wer besser Fußball spielt, sondern wer die ersten fünf Minuten überlebt.

Teledeporte überträgt live, doch die echten Entscheidungen fallen im Mittelkreis, wo Madrids Sechser Hugo Jiménez auf Granadas Spielmacher Dani González trifft. Deren Dribbelquote liegt bei 68 % – höher als jeder andere Feldspieler im Turnier. Wenn Jiménez ihn austanzt, bröckelt das gesamte Pressing der Nazaríes. Läßt er sich überlaufen, prallt Madrids mannschaftliche Ordnung auseinander wie ein Kartenhaus im Wind.

Um 22:15 Uhr wissen wir, ob Madrids Talentlawine weiterrollt oder Granada das nächste Kapitel seiner Märchensaison schreibt. Der Pokal wartet schon – aber er schweigt bis zum Schlußpfiff.