Madrid: europapokal-albtraum in piräus – kann das wunder noch gelingen?
Der weiße Traum in der EuroLeague droht zu zerplatzen. Real Madrid verlor am Dienstagabend im griechischen Athen gegen den Liga-Primus Panathinaikos, und das nicht ohne weiteres. Doch das blamable Ergebnis im Palast des Friedens und der Freundschaft ist nur die Spitze des Eisbergs. Viel alarmierender ist die desolate Bilanz der Königlichen auf fremden Boden, die die Playoff-Hoffnungen ernsthaft gefährdet.

Die auswärtsschwäche als achillesferse
Sergio Scariolo, der Coach von Madrid, bemühte sich nach dem Spiel um Schadensbegrenzung. „Wir haben eine gute Saison gespielt. Fünf Niederlagen jeweils mit nur einem oder zwei Punkten Unterschied. Mal Pech, mal fragwürdige Entscheidungen, mal mangelnde Kontrolle im Schlussabschnitt“, so der Italiener. Doch die Wahrheit ist unerbittlich: Madrid hat in dieser EuroLeague-Saison bereits 13 Auswärtspartien verloren – eine Katastrophe für ein Team mit Ambitionen. Nur Bayern München, Virtus Bologna, Baskonia, Anadolu Efes und ASVEL Villeurbanne sind noch schlechter unterwegs.
Die Auswärtsbilanz von 5-13 ist die schlechteste seit der Umstellung auf das moderne Double-Round-Robin-Format. Es ist ein historischer Tiefpunkt für die Madrilenen. Lediglich Maccabi Tel Aviv (3-11) und Anadolu Efes (4-11) in der Saison 2021/22 präsentierten eine ähnlich miserable Vorstellung abseits der heimischen Harden Arena. Dabei ist zu beachten, dass die Spiele gegen russische Teams damals annulliert wurden.
Die Mathematik ist unbarmherzig: Um sich die vierte Position zu sichern und den Heimvorteil in den Playoffs zu behalten, muss Madrid am Donnerstag gegen Fenerbahçe gewinnen und auch das letzte Spiel gegen Partizan Belgrad für sich entscheiden. Scheitert man in Istanbul, droht das Play-In-Turnier. Bei einer weiteren Niederlage könnte sogar der achte Platz der Endabrechnung folgen.
Die Verhältnisse sind paradox: Madrid hat den direkten Vergleich mit Valencia, Monaco, Hapoel Jerusalem und Barcelona gewonnen, und sogar einen komfortablen Vorsprung gegenüber Fenerbahçe (+26). Doch der Blick auf die Verfolger Olympiakos Piräus (-2) und Zalgiris Kaunas (-1) lässt wenig Hoffnung aufkommen. Der griechische Rekordmeister hat bereits den direkten Vergleich gewonnen und liegt aktuell zwei Siege vor den Madrilenen.
Die Mannschaft von Pablo Laso – nun unter der Leitung von Sergio Scariolo – muss sich der Realität stellen: Die Reise nach Istanbul wird kein Spaziergang. Fenerbahçe, einst selbst Tabellenführer, steckt ebenfalls in einer Krise und hat zuletzt vier Partien in Folge verloren. Aber für Madrid, dessen Auswärtsspiele oft eine Achterbahnfahrt der Emotionen sind, kann selbst ein angeschlagener Gegner zur echten Herausforderung werden. Die Frage ist nicht, ob Madrid eine gute Saison spielt, sondern ob das Team in der Lage ist, seine Konstanz über die gesamte Saison hinweg zu bewahren – insbesondere wenn es auf fremden Parkett die entscheidenden Punkte holt.
Die Geschichte wird zeigen, ob die Königlichen aus ihren Fehlern lernen und den verpassten Heimvorteil irgendwie doch noch retten können. Denn eines ist klar: In der EuroLeague entscheidet sich selten etwas am Ende der Saison.
