Lüneburg schlägt friedrichshafen und trinkt endlich aus der meisterpokal-schatulle
Der Pokal war noch warm, als Stefan Hübner schon klatschnass unter der Dusche stand – Goldmedaille um den Hals, Montur an, Bierdusche an. 27 Jahre SVG Lüneburg, 27 Jahre Warten, und jetzt dies: 15:8 im Tie-Break gegen den ewigen Herrn VfB Friedrichshafen. Geschichte geschrieben in der SAP-Arena, geschrieben mit Block und Aufschlag, geschrieben mit Tränen, mit „We are the Champions“, geschrieben mit einem Satz, der so klingt, als hätte jemand endlich die Tür zur ersten Liga aufgerissen.
Warum dieser sieg mehr ist als nur ein pokal
Der Finalfluch war kein Märchen, er war ein Mantra. Dreimal stand Lüneburg im Endspiel, dreimal schickten die Männer aus dem Bodensee die Norddeutschen heim. Diesmal wehrten sich die Lüneburger zweimal gegen die Niederlage, kassierten den vierten Satz trotz 19:17-Führung, dann warf Außenangreifer Moritz Reichert den Aufschlag wie einen Handgranate ins Friedrichshafener Feld. 12:8. 13:8. 14:8. 15:8. Fertig. Der Rekordmeister wankte, die SVG jubelte wie eine Schulmannschaft, die das Lehrerzimmer verwüstet hat.
Was niemand auf dem Zettel hatte: Santeri Välimaa, der finnische Zuspieler mit dem Vornamen eines Märchenprinzen, spielte mit Muskelkater und zwei verstrichenen Spritzen. „Ich hab heute nicht geschlafen, ich hab geträumt“, sagte er später, während er eine Flasche Sekt an den Haaren seiner Freundin schüttelte. Die Superkraft, von der Kapitän Jesse Elser sprach, ist keine Taktik, sie ist Chemie. Zwölf Spieler, elf Nationen, ein Verein. Hübner nennt das „Gemisch aus Sturkopf und Familienbetrieb“. Er sollte es wissen, er baute die SVG vom Regionalliga-Aufsteiger zur Nummer zwei hinter den BR Volleys – und jetzt auch hinter dem ewigen Friedrichshafen.

Der nächste gegner heißt berlin – und er sollte aufpassen
Die Bundesliga-Tabelle liest sich nach diesem Wochenende wie ein Warnschuss. Lüneburg liegt zwei Punkte hinter Berlin, hat das direkte Duell aber schon gewonnen. Die BR Volleys verloren am gleichen Abend in Münster – Zufall gibt’s nicht im Sport. „Wir haben den Pokal geholt, aber die Saison ist noch lang“, sagte Hübner, während er sich ein zweites Bier genehmigte. Die Botschaft war klar: Der Hunger ist nicht gestillt, er ist erst geweckt.
Am Montag geht’s weiter mit dem Training, am Freitag gastiert Lüneburg in Düren. Aber vorher feiern sie. Den Sonderzug nach Lüneburg haben sie verpasst, also fuhren sie mit dem Bus – und sangen die ganze Nacht. Um 5:14 Uhr rollte der Convoy über die Ilmenau-Brücke, das Funkeln des Pokals war noch immer zu sehen. Ein Fan hatte auf die Unterseite gekratzt: „Endlich.“
