Luke littler: „ich will 16 weltmeistertitel – und united vor mir fünf siege schaffen“

Er ist 19, wirft wie ein Greifer und quält sich durch mehr Termine als der Bundeskanzler: Luke Littler hat die Darts-Welt so schnell im Griff wie keiner vor ihm. Im Interview mit Sport BILD legt der Weltmeister offen, warum er keine Bodyguards bräuchte, wenn er bloß dartsen dürfte – und wie er sich selbst beim Fußballpoker aussticht.

Littler lacht über united – und meint es halb todernst

Die Frage klingt wie ein Witz, ist aber ein Seismograph für sein Selbstvertrauen: Was klappt schneller – fünf United-Siege in Folge oder fünf Weltmeistertitel hintereinander? Littler grinst, zuckt mit den Schultern und liefert die Antwort, die Old Trafford in den Keller drückt: „Im Moment spielen wir ganz gut, also haben wir da vielleicht eine Chance, schneller zu sein als ich.“ Dabei vergisst er nicht hinzuzufügen, dass die WM nur einmal im Jahr stattfindet. Der Junge rechnet in Zyklen von Dekaden, nicht von Wochen.

Die Nummer eins der Order of Merit kennt die Größe ihrer Aufgabe. Sie heißt Phil Taylor, 16 Weltmeistertitel, Rekordmarke aus einer anderen Galaxie. Littler will sie knacken. Kein „vielleicht“, kein „wäre schön“. Er spricht davon, als würde er nächste Woche zum Einkaufen fahren. „Ich will noch lange spielen, weitere Turniere gewinnen und mir solche Ziele setzen.“ Die Familie redet mit, die Freunde ebenfalls. Alle wissen: Der Junge aus Warrington hat kein Tempolimit.

Pfeifkonzerte? littler dreht an der lautstärke runter

Pfeifkonzerte? littler dreht an der lautstärke runter

Göttingen, Niko Springer gegen Stephen Bunting, die Halle kocht, die Partie bricht zusammen. Littler kennt das Gemäuer aus Buhrufen. „Manche Spieler werden eben nicht gemocht“, sagt er und klingt dabei wie ein Altmeister, der schon jeden Club gesehen hat. Er selbst wurde in Dublin niedergepfiffen – und gewann trotzdem. Seine Taktik: „Alles ausblenden und mein eigenes Spiel spielen.“ Das klingt simpel, ist aber ein Sechser im Lotto. Früher, vor zwei Jahren, habe ihn das Publikum noch mitgenommen. Heute reagiert er nur noch, wenn der letzte Doppel-Top sitzt.

Die mentale Schiene ist sein Geheimtraining. Keine Mantras, keine Visualisierung vor dem Einschlafen. „Das passiert eher intuitiv“, sagt er. Wer sich auf der Bühne Sätze zusammestammelt, verliert den Fokus. Littler tritt auf, wirft, geht. Der Rest ist Rauschen.

Fame versus freizeit: xbox schlägt glamour

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Bodyguards in England, Selfie-Stau in jedem Pub: Littler spürt, dass er längst kein normaler Teenager mehr ist. „Ehrlich gesagt, wäre ich lieber einfach nur ein Dartspieler als eine Art Promi“, gibt er offen zu. Der Terminkalender quillt über: Sponsoren, Mediatermine, Charity-Auftritte. „Am Ende bin ich derjenige, der die Termine hat, während die anderen im Hotel entspannen.“

Die Gegenwehr folgt auf dem Fuße. Er lasse Turniere aus, buche freie Wochenenden, flüchte nach Hause – und dann ist er wieder der 19-Jährige, der FIFA auf der Xbox ballert und mit Kumpels Pizza bestellt. Die Balance ist sein echter Coach. Ohne sie wäre selbst ein Phänomen nur ein kurzes Licht.

Kein druck, nur board und barrel

Kein druck, nur board und barrel

0:5 zurück, zwei Wochen her, er gewann trotzdem. „Ich spüre keinen Druck“, sagt er und meint damit nicht die Zahlen auf dem Scoreboard, sondern die Last der Erwartung. Andere bauen Druck auf, er stemmt sich dagegen – mit einem Shrug. „Wenn man so zurückkommen kann, fragt man sich eher, was noch alles möglich ist.“ Die Antwort liefert er selbst: „Weiter die Nummer eins der Welt sein.“ Punkt. Aus. Ende der Durchsage.

Die Darts-Szene sucht schon jetzt nach dem nächsten Superstar, weil sie ahnt, dass sie ihn bereits gefunden hat. Rekorde sind nur Haltestellen, der Bus fährt weiter. Und Luke Littler sitzt am Steuer, ohne Tempomat, ohne Angst vor leerem Tank. Wenn er Recht behält, dauert es nicht lange, dann diskutieren Fans nicht mehr darüber, ob jemals jemand Taylor einholen kann – sondern nur noch, wie viele Jahre Luke dafür braucht.