Luis godinho pfeift spanien – und fordert: halt endlich die gewalt gegen schiedsrichter!
Am Freitagabend betritt Luis Godinho zum ersten Mal den Rasen von La Cerámica, um Spaniens Nationalteam zu leiten. Die UEFA hat den 38-jährigen Portugiesen für das Prestigeduell gegen Serbien nominiert – ein Karrieresprung, der in seiner Heimat fast nebenbei passiert. Denn während Godinho sich auf die Partie vorbereitet, kämpft er parallel für etwas Grundlegendes: den Respekt vor dem Schiedsrichter.
Ein schiri zwischen länderspiel und länderkampagne
Seit 2017 pfeift Godinho international, doch Spanien ist für ihn Neuland. Die beiden bisherigen Duelle mit der Roja endeten 3:0 – beide Male für die U21, beide Male mit deutlichem Sieg. Serbien kennt er nur aus der U17. Nun also das Absolute. Ein Schritt, der ihn in die oberste UEFA-Kategorie katapultiert.
Doch La Cerámica ist nicht nur Karriere. Es ist auch Bühne. Denn Godinho nutzt seine Sichtbarkeit, um auf etwas aufmerksam zu machen, das ihn selbst betrifft: Gewalt gegen Schiedsrichter. „Drei weitere Schiedsrichter verletzt. Drei weitere Gewaltakte auf Plätzen, die eigentlich Ausbildung, Respekt und Erziehung bedeuten sollten“, schrieb er vergangenes Wochenende. Die Aufzählung liest sich wie ein Kriminalbericht: In Lagoa schlug ein Spieler den Ref. In Ponte de Frielas attackierte ein Trainer eines U11-Spiels den Unparteiischen mit dem Kopf. In Vieira do Minho stürmte ein Fan den Platz und schlug zu. Godinho: „Das sind keine Einzelfälle. Das ist ein Muster.“

Der preis der pfeife
Seine Worte sind kein Mediengag. Sie sind Alltag. In Portugal wurden 2023 nach offiziellen Angaben 64 Schiedsrichter körperlich angegriffen – Tendenz steigend. Godinho selbst wurde schon bedroht, schon bespuckt. „Wir sind Teil des Spiels, ja. Aber wir sind keine Schlagtaschen“, sagt er. Wer sich vertut, müsse Kritik ertragen – genau wie Spieler, Trainer, Manager. „Nur dass bei uns die Kritik mittlerweile mit Faust endet.“
Die UEFA reagiert. Ab nächster Saison wird jede Schiedsrichterbeobachtung mit Bodycam ausgestattet. Die Portugiesische Liga testet Mikrofone auf dem Platz, um Beleidigungen aufzuzeichnen. Doch Godinho bleibt skeptisch. „Technik dokumentiert, aber sie schützt nicht“, sagt er. „Schützt kann nur eine Kultur des Respekts.“
Am Freitag wird er pfeifen, an der Seitenlinie stehen Luis de la Fuente und Dragan Stojković. Millionen schauen zu. Und Godinho? Er wird genau das tun, was ihn auszeichnet: pfeifen, entscheiden, bleiben. Danach wird er wieder nach Portugal zurückfliegen – und dort weiterkämpfen. Denn solange Eltern ihre Kinder auf dem Platz zuschlagen lassen, solange Amateurfußballer Referees als Freiwild sehen, ist das Länderspiel nur eine Pause. Die echten Schlusspfiffe fallen woanders. Und die verlangen andere Helden.
