Luis garcía plaza landet auf dem ramón sánchez-pizjuán: neuanfang mit countdown

Neun Spieltage, ein Abstiegsplatz, ein frisch vorgestellter Coach – und ein ganzer Klub, der atmet wie nach einem Kaltstart. Luis García Plaza betrat am Mittwoch die Pressekabine des Ramón Sánchez-Pizjuán, als hätte er sie schon tausend Mal betreten: entspannte Schultern, laute Stimme, null Zeit zu verschenken.

Der plan: sofort spannung aufbauen

„Ich kenne die Tabelle, aber ich kenne auch die Energie dieses Stadions“, sagt er und klopft dabei unwillkürlich auf das Mikro. Die erste Trainingseinheit liegt gerade ein paar Stunden zurück, doch der Madrilene redet, als stünde er bereits vor dem nächsten Endspiel. Gegen Real Oviedo beginnt der Ernst, bis dahin muss eine komplette Defensivphilosophie sitzen – denn der FC Sevilla kassierte mehr Treffer als jeder andere Primera-División-Klub.

Statt Monate hat er Tage. Statt Sommervorbereitung gibt es Videoanalysen bis tief in die Nacht. „Wenn wir jeden Match wie eine Finale angehen, können wir jeden schlagen“, betont García Plaza. Die Spieler bekamen schon erste Handlungsmaximen: weniger Ballbesitz-Jonglieren, mehr Raum-Verteidigen, sofortiges Umschalten. Kurz: Sevilla soll wieder zu dem Albtraum werden, der Gegner früher das Herz klopfen ließ.

Keine seifenblase, sondern schweiß

Keine seifenblase, sondern schweiß

Dabei wirkt der 54-Jährige alles andere als ein Retter im Glanz-Anzug. Er spricht vom „Communio“ zwischen Tribüne und Rasen, meint: „Wenn der Park rockt, sind 30 % Arbeit schon erledigt.“ Selbst die Anspielung auf das eigene Idol-Rollo als Jugendlicher lässt er aus, stattdessen holt er einen Satz raus, der in den sozialen Netzwerken binnen Minuten viral ging: „Dieses Stadion ist die Hostia – lassen wir es explodieren.“

Mit Matías Almeyda brach nicht nur eine Spielidee zusammen, sondern auch das Selbstvertrauen. García Plaza will es zurückerobern, indem er die Kaderhierarchie neu mischt. „Jeder bekommt ein leeres Google-Doc“, schmunzelt er, „da steht nur: Beweise es.“ Kein Stammpersonal, keine Fixplätze. Stattdessen Drill, Sprint, Zweikampf – und ein klares Anfangself-Geheimnis, das selbst Joan Jordán beim Duschen noch nicht kennt.

Die sekunden ticken

Die sekunden ticken

Vertraglich ist der Coach bis 2027 gebunden, doch er weiß: Papier brennt schnell in Andalusien. „Verträge binden im Fußball niemanden – Ergebnisse schon.“ Deshalb setzt er auf eine Datenei, die sich in seinen bisherigen Stationen bewährte: Nach der Winterpause holten seine Mannschaften durchschnittlich 1,7 Punkte pro Spiel, statt 1,2 zuvor. „Zweite Runden sind meine Paradedisziplin“, sagt er. „Aber dafür brauche ich Köpfe, die an sich glauben.“

Am Samstag testet er gegen Al-Sadd, am Montag folgt das nächste Taktik-Briefing, dann der Countdown Richtung Oviedo. 72 Stunden Taktik, 72 Stunden Psyche – und eine Arena, die endlich wieder brüllen will. García Plaza packt seine Unterlagen zusammen, mustert die Fotografen-Reihe und sagt knapp: „Wenn wir in neun Wochen noch Ziele haben, reden wir über Zukunft. Jetzt zählt nur der erste Schritt.“

Der ist gemacht – mit Vollgas statt Warmduscher-Romantik.