Lok leipzig kassiert 174 000 euro für marode holztribüne – 3-liga-traum rückt näher
Der 1. FC Lok Leipzig bekommt Geld vom Bund – und das nicht zu knapp. 173 840 Euro fließen in die denkmalgeschützte Holztribüne des Bruno-Plache-Stadions, die seit 1922 steht und inzwischen mehr Flicken als Bretter zählt. Die Meldung kommt zur rechten Zeit: Die Lizenzen für die 3. Liga sind bereits auf dem Tisch, und das Revier in Probstheida ist das einzige in Ostdeutschland, das für den Profifußball noch Nachhilfe braucht.
Die tribüne, die zeit und witterung trotzen musste
Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen) und Jens Lehmann (CDU) machten die Förderzusage am Donnerstag öffentlich. Sie ist Teil des Bundesprogramms „Nationale wertvolle Kulturgüter“ – ein Etikett, das sonst eher Schlösser und Kirchen ziert. Doch die 220 Meter lange Holz-Kurve hinterm Tor ist ein Kulturgut, weil sie ein Stück Fußball-Arbeitermuseum ist. „Solche Tribünen gibt es heute fast nur noch hier und bei der BSG Chemie“, sagt Piechotta. Dort steht ebenfalls ein Abriss-Schild im Wind.
Die Summe deckt nicht einmal die Hälfte der Gesamtkosten, schätzt der Klub. Lok-Vorstand Toni Wachsmuth rechnet intern mit rund 400 000 Euro, bis die Konstruktion wieder Stufe für Stufe trägt, ohne dass Fangzäune notwendig werden. Die restlichen Mittel müssen aus Sponsoren, Crowdfunding und dem Verkauf von Alt-Holz kommen – ein Großteil der Planken ist originales Fichtenmaterial und wird auf Ebay Kleinanzeigen für Vintage-Buden gehandelt.

Warum das ganze theater gerade jetzt anfängt
Der Zeitplan ist knapp wie ein 90-Minuten-Finale. Im Sommer will die DFL das Stadion absegnen, soll Lok den Aufstieg schaffen. Dann braucht Probstheida 15 000 Plätze, funktionierende VIP-Logen und vor allem: keine Einsturzgefahr. Seit 2011 stopfte der Verein nach eigenen Angaben bereits neun Millionen Euro in den Boden, dazu „mehrere hunderttausend Ehrenamtstunden“. Die neue Förderung ist das erste Mal, dass der Bund mitspielt – zuvor kamen nur Lotto-Mittel, Stadt-Schnurren und ein paar Großspender.
Die Konkurrenz schaut neidisch. In Jena, Erfurt, Halle und Chemnitz stehen Arena-ähnliche Bauten, aber keiner dieser Klubs führt die Regionalliga-Nordost an. Lok aber muss erst mal die Bauruine in eine Festung verwandeln, bevor es überhaupt zur 3. Liga gehen kann. Der Druck kommt nicht von der Liga, sondern von der Geschichte: 1903 gegründet, DDR-Oberliga-Pionier, Pokalsieger 1966 – und nun abhängig von 50 000 Euro für nagelneue Holzschrauben.
Die Botschaft ist klar: Wer seine Vergangenheit nicht instand setzt, hat keine Zukunft im Profifußball. 173 840 Euro sind ein Anfang, kein Jubiläum. Die Tribüne wird wieder Holz riechen, wenn im Mai die Aufstiegsrelegation steigt. Und vielleicht riecht sie dann sogar nach 3. Liga – falls die Kurve bis dah nicht wieder kollabiert.
