Llull zieht die frist: mit 38 will er madrid noch ein jahr länger auf trab halten

Sergio Llull hat gesprochen – und die Königlichen sofort aufgeschreckt. In einem Gespräch mit BasketNews erklärt der 38-jährige Shooting Guard, dass er sich fit wie ein 25-Jähriger fühlt und bereit ist, seine Laufschuhe mindestens bis 2027 an der WiZink Center-Tribüne zu parken. Vertraglich läuft seine Zugehörigkeit zum Real Madrid zwar noch bis Juni 2026, doch der Mann aus Menorca will nachlegen, bevor die Uhr überhaupt ins Spiel kommt.

Ein mythos, der sich selbst überholt

Llull kam 2007 als kantiger Aufbau-Spieler aus Manresa. Seitdem sammelte er neun spanische Meisterschaften, drei EuroLeague-Titel, siebmal den Pokal des Königs und jede Menge Nerven der Gegner. 19 Spielzeiten Europa-Premiere, 19 Mal Playoffs, 19 Mal Gänsehaut. Er teilt sich den Rekord mit dem Litauer Jankūnas und dem Griechen Printezis, doch ein Jahr mehr in Madrid würde ihn zurEuroLeague-Ein-Mann-Statue erheben.

Dabei war seine Karriere schon zweimal auf der Kippe: ein Kreuzbandriss 2012, Sprunggelenk-Operationen, immer wieder hechelnde Stimmen, die behaupteten, Llull habe seine beste Zeit gesehen. Er antwortete mit Step-Back-Dreiern aus der Mittellinie und mit einem Ego, das sich nicht mal von Zeit knebeln lässt. Jetzt lautet seine Devise: „Solange der Kopf brennt, klappt auch das Bein.“

Warum madrid ihn nicht gehen lassen kann

Warum madrid ihn nicht gehen lassen kann

Die Zahren liefern die Begründung kostenlos. In dieser Saison traf er 42 % aus der Distanz, versenkte 1,8 Dreier pro Spiel und spielte trotz reduzierter Minuten eine plus-7-Bilanz, wenn er auf dem Parkett stand. Coach Chus Mateo nutzt ihn als Instant-Offense aus der Bank, als Mentor für Nico Laprovittola und als psychologische Waffe in letzten Sekunden. Gegen Bayern München schraubte Llull in fünf Minuten ein 9:0-Run zusammen – mit zwei Täuschungen, einem Steal und einem Logo-Dreier. Das Video ging viral, die Kommentare auch: „Grandpa still got wheels.“

Im Klub schätzt man seine Nebenwirkung: Er schmeißt keine Tablets, er erklärt sie. Er zieht keine PR-Auftritte durch, er generiert sie. Und er kostet keine 3 Millionen Euro, weil ihm die zweite Blase auf dem Gehaltszettel egal ist. Verdienst statt Durchschnitt, lautet die interne Formel. Dazu kommt: Madrid plant 2026 ein Mega-Team-Rebuild mit jungen US-Prospects. Ein erfahrener Kompass wie Llull verhindert, dass daraus ein Kompass ohne Norden wird.

Die faust im dreier-anzug

Die faust im dreier-anzug

Während andere Stars mit 38 Golf oder Influencer werden, trainiert Llull zweimal täglich, misst Schlafphasen und ersetzte Zucker durch Mandeldrink – nicht weil es trendy ist, sondern weil Knorpel keine Kompromisse kennen. Er habe „noch dieselbe Leidenschaft wie am ersten Tag“, sagt er, und das klingt nicht nach Standard-Athleten-Pathos, sondern nach einem Typen, der weiß, dass seine größte Konkurrenz der Kalender ist.

Der Klub schweigt noch offiziell, doch intern ist die Marschrichtung klar: Angebot liegt in der Schublade, nur die Unterschrift wartet auf den perfekten PR-Moment – vielleicht nach einem weiteren Finalsieg, vielleicht nach dem nächsten Clutch-Dreier gegen Barça. Dann zückt Llull den Stift und Madrid zahlt mit einem weiteren Kapitel Sportgeschichte. Bis dahin bleibt die Devise: Erst schießt er, dann denkt er – und die Uhr wartet am Ausgang.