Llorente schlägt zurück: von der wm-bank zum nationalteam-fixpunkt

Marcos Llorente lacht wieder. 90 Minuten gegen Serbien, 90 Minuten Beweis. Weg ist die 45-Minuten-Andorra-Extrawurst vom letzten Winter. Der Atlético-Mann ist zurück im Zentrum der Macht – und das, wo er doch vor einem Jahr noch abgeschrieben war.

Der tiefe fall nach katar

Luis de la Fuente hatte ihn stiefmütterlich behandelt. Kein Einsatz in der K.-o.-Phase, kein Platz im Trainingslager, nicht mal mediale Erwähnung. Llorente musste zuschauen, wie andere seine Position besetzten. Die Zahlen sind gnadenlos: nur 45 Minuten in der Quali-Phase, null Ballkontakte im entscheidenden WM-Viertelfinale. Für einen Spieler, der 2021 noch als „Spanien-Maschine“ galt, ein Tiefschlag.

Doch der 29-Jährige schwieg. Kein Interview, kein Seitenhieb, stattdessen: 38 Pflichtspiele für Atlético in dieser Saison, davon 34 in der Startformation. Die Knie von Reinildo und Savic flimmerten, Llorente stand. Simeone baute ihn von Außenverteidiger über Achter bis zum falschen Neun um – und er lieferte. Die Statistik: 2.100 Laufkilometer, 87 % Zweikampfquote, 12 Vorlagen. Zahlen, die selbst De la Fuente nicht ignorieren konnte.

Die wende in alicante

Die wende in alicante

Serbien war der Test. Llorente spielte sich in die DNA der spanischen Spielweise. Tiefer Start, hohe Umschaltmomente, präzise Diagonalbälge auf Williams. Kein Ballverlust im ersten Durchgang, drei entscheidende Balleroberungen im Aufbaudrittel. De la Fuente jubelte: „Er versteigt sich nie, liest die Lücke vor dem Gegner.“

Die Kabine merkt’s. Llorente ist kein Lautsprecher, aber ein Kompass. „Wenn er spricht, hören alle auf“, sagt Mikel Oyarzabal. Die Sonnenbank-Story? Kein running Gag mehr, sondern Kollektiv-Meme. „Wir nennen ihn ‚Marqués de la sombra‘, weil er jeden Gegner ausbrennt“, lacht Gavi. Der Gruppenzusammenhalt profitiert – und das spürt der Coach.

Die wm-liste rückt näher

De la Fuente muss sich entscheiden: Carvajal gesetzt, Porro in Form, Nacho flexibel. Doch Llorente bietet das Rundum-Sorglos-Paket: Rechtsverteidiger mit Zentrumsgene, Pressschalter mit 34 km/h Sprint, Instruktor mit 1,86 m Kopfballstärke. Der Bundestrainer ließ keinen Zweifel: „Wer so stabil ist, bekommt mein Vertrauen.“

Die Konkurrenz schläft nicht. Jesús Navas ist 38, Azpilicueta längst in der MLS. Die jüngste Generation – Cubarsí, Balde – ist noch zu grün. Llorente liegt exakt in der Goldilocks-Zone: erfahren, aber nicht verbraucht. Sein Vertrag bei Atlético läuft 2027, die Buy-out-Klausel steht bei 80 Mio. Euro – ein Signal: Er ist kein Leihgut, sondern Investment.

Am 14. Juni startet Spanien gegen Kroatien in die EM. Wenn de la Fuente seine 26-Kader-Liste verschickt, wird ein Name ganz oben stehen. Nicht wegen Sympathie, sondern wegen Beweislast. Marcos Llorente hat sie erbracht – und dabei noch das Narrativ gedreht: vom Ausgestoßenen zum Eckpfeiler. Die Sonne scheint wieder. Diesmal nicht nur für ihn, sondern für die ganze Roja.