Littbarski schickt nagelsmann zwei geheimwaffen für die wm
Pierre Littbarski hat gesprochen – und Julian Nagelsmann sollte lauschen. Der Weltmeister von 1990 fordert zwei Jungstars für den deutschen WM-Kader: Said El Mala und Lennart Karl. „Auf alle Fälle sind es zwei grandiose Spieler und ich gehe davon aus, dass beide dabei sind“, sagt der 65-Jährige dem SID. Seine Begründung ist so klar wie ein Strafstoß imWM-Finale.
Die außen sind verwaist – und da kommen zwei an, die spiele drehen
Littbarski sieht auf den Flügeln ein Vakuum. Kein Gnabry in Form, kein Sané mit Durchschlagskraft. Dafür gibt es jetzt einen 18-jährigen Flügelflitzer aus Hoffenheim und einen 19-jährigen Kölner Torfabrikanten. Karl, erst seit Januar Profi, soll gegen die Schweiz und Ghana seine Unbekümmertheit zeigen. El Mala, 14 Scorerpunkte in 27 Spielen, bleibt zunächst bei der U21 – aber nur auf Abruf.
Die Zahlen sind kein Zufall. El Mala traf in der laufenden Saison alle zwei Spiele entweder selbst oder legte auf. Karl wiederum lief in 17 Bundesliga-Einsätzen nie länger als 77 Minuten, erzielte aber bereits drei Assists und zwang Gegner zu 32 Fouls. „Die sind international noch nicht so bekannt. Vielleicht ist das die Geheimwaffe“, sagt Littbarski. Er sollte es wissen – 1990 war er selbst so ein unterschätzter Rouleur, bis er im Achtelfinale gegen die Niederlande das Feld beherrschte.

Nagelsmann hat die qual der wahl – oder das geschenk des jahres
Der Bundestrainer schwankt zwischen Risiko und Rendite. Leweling sagte ab, Musiala und Wirtz sind gesetzt, aber auf den Außen könnte frisches Blut den Gegner kalt treffen. Die FIFA-Statistik zeigt: Teams mit mindestens einem U-20-Spieler im Kader erreichen seit 2006 im Schnitt das Viertelfinale. Deutschland brauchte 2018 diese Impulse – und schied trotzdem vorzeitig aus. Die Lektion: Jugend allein reicht nicht, aber ohne Tempo und Überraschung kommt keiner weiter.
Di Salvo lobt El Malas Reife trotz „Aufs und Ab“. Die Rede ist von einem Spieler, der in der 3. Liga noch Bälle aus der Drehung versenkte und jetzt in der Bundesliga die Abwehrketten wackeln lässt. Karl wiederum hat keine Playstation-Müdigkeit, sondern nur ein Ziel: „Ich will zeigen, dass ich bereit bin.“ Seine Frechheit erinnert Experten an einen jungen Marco Reus – nur schneller in der ersten zehn Metern.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Wer in diesem Sommer Weltmeister werden will, muss nicht nur stabil, sondern auch unberechenbar sein. Littbarski hat die Karten aufgedeckt. Jetzt liegt es an Nagelsmann, ob er sie mischt oder zögert. Die WM dauert 64 Spiele – und manchmal reicht ein einziger Moment, um sie zu gewinnen. El Mala und Karl sind zwei solcher Momente in Menschengestalt.
