Lisa eder zieht den stecker: österreichs sprung-queen meldt energie-pleite ab

Lisa Eder fliegt nicht mehr. Die 24-jährige Ausnahmespringerin verabschiedet sich mit sofortiger Wirkung aus dem Weltcup-Zirkus und verpasst das erste Damen-Finale auf der Letalnica in Planica. Die Batterie ist leer – und das mitten in ihrer stärksten Saison.

Elf podeste, zwei siege, keine kraft mehr

Die Zahlen lügen nicht: elf Podestplätze, zwei Einzelsiege in Zao und Hinzenbach, beste Österreicherin bei Olympia. Doch hinter den Kulissen schrumpfte die Energiereserve von Woche zu Woche. „Ich spüre, wie sich meine Oberschenkel beim Absprung verziehen, weil die Muskulatur nicht mehr mitzieht“, sagt Eder im Gespräch mit dem ÖSV. Die Folge: unkontrollierter Ski-Druck, unruhige Flugphasen, ein Körper, der auf Notbremse schaltet.

Die Entscheidung fiel nicht in Panik, sondern auf Basis harter Daten. Belastungs-EKG und Blutbild zeigten einen Vitamin-D-Einbruch und eine CK-Vertopfung jenseits der 10.000-Einheiten-Marke – Werte, die sonst nur nach schweren Infekten auftauchen. „Wenn ich jetzt noch einmal starte, riskiere ich einen Muskelriss oder eine chronische Überlastung“, erklärt die Steirerin. Stattdessen steht ab sofort ein strukturierter Aufbau auf dem Plan: vier Wochen reduziertes Lauftraining, zwei Kraft-Blöcke mit einem französischen Leichtathletik-Coach, dazwischen tägliche Sauerstoffmasken-Sessions in 2.500 Metern Höhe auf der Hochschwab-Hütte.

Vikersund und planica ohne ihre klasse

Vikersund und planica ohne ihre klasse

Für die Veranstalter ist das ein Schlag ins Gesicht. Mit Eder verliert das Damen-Finale in Planica nicht nur die aktuelle Gesamt-Zweite, sondern auch den größten Publikumsmagneten neben Nika Prevc. Die Organisatoren in Slowenien haben bereits 15.000 zusätzliche Tickets für das historische Debüt auf der Letalnica verkauft – nun fehlt ein Großteil der österreichischen Fan-Reisebusse. Die Weltcup-Wertung wird zur Zweikämpfe zwischen Prevc und der Japanerin Yuki Ito, während Eder 280 Punkte vor ihrer Verfolgerin liegen lässt – ein Polster, das wohl reicht, um Rang zwei zu halten.

Die Reaktionen aus dem Team spiegeln Respekt und Sorge. „Wir haben Lisa rotieren sehen, wie sie nach dem zweiten Training in Ruka noch fünf Sprintserien auf dem Band absolviert hat“, sagt ÖSV-TrainerAndreas Felder. „Diese Leere in den Augen danach – das war das Bild einer Athletin, die sich selbst überlisten wollte.“ Für Felder ist die Pause zugleich Signal an den gesamten Kader: „Wer glaubt, dass man sich mit zwei Weltcup-Siegen zufrieden geben kann, unterschätzt den Preis, den dieser Sport verlangt.“

Am Horizont: eine neue Saison, ein neues Reglement. Die FIS plant eine Reduzierung der Wettkämpfe pro Wochenende auf maximal zwei Durchgänge – ein Vorschlag, der nach Eder-Pleite durchsickerte. Ob es reicht, um Talente wie sie vor dem nächsten Burn-out zu schützen, bleibt offen. Fakt ist: Lisa Eder hat Vikersund und Planica abgehakt, aber nicht den Sport. „Ich werde zurückkommen – mit einem Körper, der nicht nur fliegt, sondern auch landet“, sagt sie knapp. Die nächste Saison beginnt in drei Monaten. Die Uhr tickt – und die Energie tankt bereits wieder.