Lipowitz schraubt sich in katalonien hoch – deutsches podest droht

Florian Lipowitz spürt die Magie von La Molina in den Oberschenkeln – und die Geschichte der Volta da Catalunya kratzt an seinen Fersen. Mit 1:01 Minuten Rückstand auf Jonas Vingegaard wurde der Ulmer Vierter auf der ersten Bergankunft, rückt im Gesamtklassement auf Rang vier vor und liegt nur vier Sekunden hinter dem Franzosen Lenny Martinez. Noch nie stand ein deutscher Fahrer auf dem Podest der Rundfahrt, die seit 1911 rollt.

Vingegaard nimmt gall und den wind mit

Der dänische Tour-de-France-Sieger setzte nach 153 km den Turbo, als der Sturm die Strecke bereits um 2,2 km verkürzt hatte. Felix Gall aus Österreich hängte sich noch 51 Sekunden später ein, Lipowitz folgte zehn Sekunden danach – und ließ dabei sogar seinen berühmten Teamkollegen Remco Evenepoel stehen. Der Belgier verlor 37 Sekunden, wirkt auf dem steilen Coll de Pal-Finish wie festgefahren. Zum ersten Mal tragen Evenepoel und Lipowitz gemeinsam das Red Bull-Bora-hansgrohe-Trikot in einem Etappenrennen. Die Chemie stimmt, die Hierarchie verschiebt sich.

Die Windhose, die am Donnerstag die Bergankunft am Vallter streichen ließ, blies auch gestern durch die Pyrenäen-Affen. Doch statt sich zu beklagen, nutzte Lipowitz den Druck wie einen zusätzlichen Schalungsschutz. Er attackierte 14 Kilometer vor dem Ziel aus der Favoritengruppe, schraubte das Tempo in die Zone, wo andere nur noch zählen. Vingegaard antwortete, aber der Deutsche hatte sich schon in die Erinnerung der Zuschauer gebrannt.

Am samstag kommt der pradell – gnadenlos

Am samstag kommt der pradell – gnadenlos

Die sechste Etappe führt über den Coll de Pradell, 1 733 Höhenmeter, höchste Kategorie, keine Entschuldigungen. Queralt wartet wieder mit einer Bergankunft, und die 57 Sekunden Vorsprung von Vingegaard sind kein Polster, sondern ein Aufruf. Martinez, Gall, Lipowitz – die Dreiergruppe hinter dem Dänen trennt ein Wimpernschlag. Wer am Samstag die Beine behält, kann am Sonntag in Barcelona über den Montjuic ins Ziel sprinten, sieben Runden lang, vor Tour-de-France-Kulisse.

Roglic fehlt, Pogacar auch. Die Slowenen-Dynastie der letzten drei Jahre ist abgelöst von einem offenen Rennen. Lipowitz hat nichts zu verlieren, außer einer Statistik, die seit über einem Jahrhundert keinen deutschen Namen trägt. Wenn er am Pradell wieder attackiert, könnte die Lücke zu Martinez platzen – und die Geschichte der Volta ein neues Kapitel auf Deutsch bekommen.