Littler zieht berlin auf die 180: darts wird zur pop-show

12.000 Menschen, ein 19-Jähriger und ein Geräuschpegel wie in einem Fußballderby. Die Uber Arena bebt, als Luke Littler mit dem ersten Pfeil die 180 trifft – das Maximum, das Signal: Darts ist längst mehr als Kneipenspaß. Es ist Massenkultur.

Die Kulisse ist perfekt: Cowboys und Schlümpfe torkeln neben Anzugträgern, Bierduschen sind inklusive. Doch wer jetzt nur an Saufveranstaltung denkt, hat die Rechnung ohne die Präzision gemacht. Hinten an der Wand ticken die Boards mit millimetergenauer Elektronik. Vorne auf der Bühne zählt jeder Wurf zur Weltrangliste. Zwischen den beiden Polen bebt Berlin.

Max hopp erklärt, warum deutschland noch hinterherhinkt

Max Hopp steht im roten Pullover zwischen den Fanblocken, keine Verkleidung, nur ein Mikro in der Hand. „Wir kommen aus kleinen Hallen mit 50 Zuschauern“, sagt er. „Jetzt sind wir hier.“ Der erste deutsche Profi, neunmal WM-Teilnehmer, heute Experte für Sport1. Er sieht die Lücke: In der Weltrangliste rangieren nur drei Deutsche in den Top 64. „Wir haben die Infrastruktur, aber noch nicht die Breite.“

Die Liga, die er meint, ist die DDV-Bundesliga. 16 Teams, acht Spieltage, ein eigener TV-Vertrag. Der DC Captains Berlin, für den Influencer Marcel Althaus auftritt, führt die Tabelle an. „Wir wachsen mit jedem Jahr zweistellig“, sagt Managerin Tina Schlicht. „Neue Vereine gründen sich, weil die Kids Littler nachäffen wollen.“

Die milliarden-frage: wie viel steckt in einem pfeil?

Die milliarden-frage: wie viel steckt in einem pfeil?

Die Antwort steht in der Gewinnerliste. Littler kassiert für seinen Berlin-Sieg 25.000 Pfund, umgerechnet fast 30.000 Euro. Die Premier League zahlt pro Spieltag 250.000 Pfund an Preisgeld. Hinzu kommen TV-Gelder aus 120 Ländern. Die PDC, Veranstalter der Liga, meldet für 2025 einen Umsatz von 140 Millionen Euro – Tendenz steil.

Doch der Hype hat einen Preis. Tickets für die Uber Arena kosteten zwischen 89 und 199 Euro, ausverkauft in 48 Stunden. Auf dem Sekundärmarkt werden 500 Euro fällig. „Das ist kein Pappenstiel mehr“, sagt Fan Steffi aus Köpenick. Sie zahlt trotzdem. „Weil ich hier bin, bevor wir uns die Spiele in London angucken müssen.“

Am Ende steht Littler wieder oben. 6:4 gegen van Gerwen, zwei Big-Fish-Finishes, 170 Punkte mit drei Pfeilen. Die Halle tobt, die Cowboys werfen ihre Hüte in die Luft, die Schlümpfe klatschen sich blau. Draußen vor der Arena warten die S-Bahnen. Die Nacht ist jung, der Darts auch.