Lina sontag fällt aus – dbb-frauen münden in personalnot vor wm-quali
Die deutschen Basketballerinnen verlieren ihre Power-Forwardin Lina Sontag wenige Stunden vor dem ersten Sprungball in Villeurbanne. Damit fehlt Bundestrainer Olaf Lange bereits die dritte etatmäßige Centerin innerhalb von 48 Stunden – ein Ausnahmezustand, der das Turnier zur Lotterie macht.
Olaf lange tauscht wie auf einem baukasten
Lange, eigentlich noch ohne offizielles Länderspiel als Chef, reagiert mit eiskalter Systematik: Patricia Broßmann rückt aus der italienischen Liga nach, Jennifer Crowder ersetzt Laura Zolper, nachdem Luisa Geiselsöder bereits vor Wochen absagte. Die Kaderplanung gleicht einem Tetris-Spiel, bei dem ständig neue Lücken klaffen. Die Message an die Konkurrenz: Gastgeber oder nicht – wer jetzt denkt, Deutschland fahre nur Proformapunkte ein, liegt falsch.
Die Fakten klingen harmlos: Das Turnier dient der Vorbereitung auf die Heim-WM vom 4. bis 13. September in Berlin, das Team ist als Veranstalter automatisch qualifiziert. Doch genau das macht die Lage brisant. Ohne Druck punkten zu müssen, verlieren die Spielerinnen trotzdem wertvolle Spielpraxis. jede Minute, die Nyara Sabally oder Leonie Fiebich nun auf der Bank verharren, könnte sich im September als teures Versäumnis rächen.
Frankreich wird zur zitterwoche
Der Spielplan liest sich wie eine kleine Weltreise: Südkorea, Philippinen, Gastgeber Frankreich, Kolumbien, Nigeria – alles Teams mit unterschiedlichem Tempo und Physis. Besonders der Auftritt am Samstag gegen die Französinnen wird zum Test unter höchster Belastung. Die Hausherrinnen um MVP-Kandidatin Marine Johannès wollen vor eigenem Publikum beweisen, dass sie ohne Sandrine Gruda noch ein Top-Five-Team Europas sind. Deutschland wiederum muss zeigen, dass die Tiefe des Kaders trotz Verletztenpech reicht.
MagentaSport überträtt alle Partien kostenlos – ein klares Signal, dass der DBB seine Damen endlich ins Rampenlicht rückt. Die Quote wird steigen, wenn der Aufruf über soziale Medien weiteres Momentum entwickelt. 17.000 Zuschauer verfolgten das letzte Vorbereitungsspiel der Männer gegen Brasilien. Bei den Frauen reichen 5.000 gleichzeitige Klicks, um den Rekord der Plattform zu brechen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Drei Ausfälle in drei Tagen, 24 Stunden Reisezeit für Broßmann aus Italien, 0,7 Sekunden durchschnittliche Reaktionszeit, die Crowder auf Passwege braucht. Die Chemie des neuen Frontcourts muss in Rekordzeit funktionieren, sonst verschenkt Deutschland nicht nur Punkte, sondern Selbstvertrauen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer jetzt auf die Tiefe der deutschen Nachwuchsarbeit schimpft, übersieht, dass gerade diese Krise zeigt, wie schnell Ersatz bereitsteht. Broßmann, 1,90 m groß, 23 Jahre, setzte in der Serie A1 diese Saison 12,4 Punkte und 7,2 Rebounds auf – Zahlen, die sie zur effizientesten deutschen Centerin im Ausland machen. Lange sagte beim Abschiedstraining in Frankfurt: „Wir reisen nicht als Touristen, wir reisen als Jäger.“ Die Jagd beginnt heute um 17.00 Uhr gegen Südkorea – mit oder ohne Sontag.
