Liebeskummer: warum beziehungen immer wieder scheitern
Wer kennt es nicht? Eine Beziehung endet, und die nächste ähnelt der vorherigen auf unheimliche Weise. Doch die Ursache liegt oft nicht im Partner, sondern tief in unseren eigenen emotionalen Wunden, so die Psychologin Jennifer Flórez.
Verwurzelte muster aus der kindheit
Flórez, Gründerin des „El Consultorio de Flórez“, erklärt, dass viele von uns unbewusst Beziehungsmuster aus der Kindheit wiederholen. Es geht nicht um die Wahl des Partners, sondern um die Art und Weise, wie wir Liebe gelernt haben. Die ersten Erfahrungen mit Zuneigung, Ablehnung und Aufmerksamkeit prägen unsere Erwartungen und Verhaltensweisen im Erwachsenenalter. Wir suchen oft Bestätigung und Sicherheit auf eine Weise, die in unserer Kindheit gelernt wurde – auch wenn sie uns heute schadet.
Die Intensität täuscht: Viele verwechseln emotionale Abhängigkeit mit echter Verbundenheit. Wer in seiner Kindheit gelernt hat, dass Liebe mit Leid, Opferbereitschaft oder Unsicherheit einhergeht, kann Beziehungen, die diese Elemente beinhalten, als „tief“ oder „intensiv“ wahrnehmen. Dabei handelt es sich oft um ein Muster der emotionalen Erschöpfung, das als Liebe getarnt ist.
Ein entscheidender Faktor ist das Selbstwertgefühl. Wer sich selbst nicht wertschätzt, neigt dazu, schädliche Beziehungen zu tolerieren und eigene Bedürfnisse zu vernachlässigen. Die Angst vor dem Alleinsein und das Streben nach Bestätigung durch andere können dazu führen, dass man in Beziehungen bleibt, die einem nicht guttun.

Der weg zur veränderung
Es ist ein hartes Eingeständnis: Die Erkenntnis, dass man ein Muster wiederholt, ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dieses Muster zu durchbrechen. Das bedeutet, sich der eigenen emotionalen Wunden zu stellen, die eigene Verletzlichkeit zuzulassen und die Komfortzone zu verlassen. Es erfordert Mut, die eigene Einsamkeit zu ertragen und sich nicht mehr von der Suche nach äußerer Bestätigung leiten zu lassen.
Die Psychologin Flórez betont, dass Heilung nicht bedeutet, perfekt zu werden oder nie wieder Schmerz zu fühlen. Es geht darum, bewusster zu lieben und Beziehungen zu wählen, die Stabilität und emotionales Wohlbefinden fördern – anstatt ständiges Leid zu verursachen. Der Schlüssel liegt in der Selbstliebe und der Bereitschaft, sich von schädlichen Mustern zu lösen.
Die Zahl der Scheidungen und Trennungen in Deutschland ist hoch – ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Menschen in unglücklichen Beziehungen gefangen sind. Doch es liegt an jedem Einzelnen, die Verantwortung für sein eigenes Glück zu übernehmen und den Mut zu finden, sich von alten Wunden zu befreien. Nur so kann eine erfüllende und stabile Partnerschaft entstehen.
