Leverkusen verspielt cl-chance: 3:3 in heidenheim ist ein debakel mit ansage

Ein Aufschrei ging durch die Leverkusener Kabine, als Schiedsrichter Sören Storks in Heidenheim abpfiff. 3:3 – und das, obwohl Bayer zweimal führte, dreimal traf und am Ende trotzdem nur einen Punkt mitnahm. Die Königsklasse rückt in weite Ferne.

Hjulmand zieht die notbremse, aber die werkself steht auf der bremsspur

Kasper Hjulmand kratzte sich nach dem Abpfiff am Hinterkopf, als wollte er sich vergewissern, dass dieser Albtraum wirklich passiert ist. „Drei Tore müssen reichen, um zu gewinnen“, sagte er ins ARD-Mikro, seine Stimme klang wie abgekämpft. „Wenn es eine Erklärung gäbe, wäre das Leben einfacher.“ Doch die gibt es nicht. Stattdessen ein Déjà-vu: Bremen, Freiburg, Heidenheim – immer drei Tore, immer nur ein Punkt.

Die Zahlen sind gnadenlos: Ein Sieg aus den letzten neun Pflichtspielen, fünf Remis in den letzten sechs Bundesliga-Partien. Die Tabellenlage: Platz sieben, vier Punkte hinter der Champions-League-Relegation. Die Moral: angeschlagen. „Mir fehlen die Worte“, sagte Torhüter Mark Flekken, und er meinte nicht die Höflichkeitsfloskel, sondern die pure Ratlosigkeit.

Terrier-ausfall und die zweite halbzeit ohne antrieb

Terrier-ausfall und die zweite halbzeit ohne antrieb

Was in der 35. Minute noch nach Galavorstellung aussah – Tillman und Schick hatten Bayer 2:0 in Führung geschossen –, zerfiel nach der Pause zu einer Ansammlung von Individualfehlern. Beharens Anschlusstreffer war noch das kleinste Übel. Dann der Penalty, den Robert Andrich verschuldete, und Pieringers Doppelpack binnen 13 Minuten. Dazwischen Schicks zweiter Treffer, der eigentlich die Vorentscheidung hätte sein sollen, wurde nur zur Fußnote.

Dass Martin Terrier nach neun Minuten mit Oberschenkelproblemen wieder runter musste, setzte dem ohnehin wackeligen Konstrukt den Rest. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, sagte Andrich, und das war keine Metapher, sondern die nüchterne Analyse eines Kapitäns, der wusste: So wird keine Saison gerettet.

Der saisonendspurt wird zum selbstversuch

Der saisonendspurt wird zum selbstversuch

Hjulmand stemmt sich gegen die Krisenstimmung. Sieben Spiele, vier Punkte – das klinge wie ein Satz aus einem Motivationsvideo, sagt er, „und genau das wird es auch“. Der dänische Coach verweist auf den entzerrten Spielplan, auf Rückkehrer nach der Länderspielpause, auf die Tatsache, dass seine Mannschaft gegen die Topteams lieferte. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen gute Mannschaften gut spielen können“, betont er – und meint damit indirekt: Gegen die schlechten offenbar nicht mehr.

Die Wahrheit ist: Leverkusen hat sich selbst zum größten Gegner erklärt. Die Werkself tritt nicht mehr an, um zu gewinnen, sondern um nicht zu verlieren. Und genau das ist der Unterschied zwischen Champions-League-Teilnehmer und Mittelmaß. Wer in Heidenheim dreimal führt und nicht gewinnt, der darf sich hinterher nicht wundern, wenn die Konkurrenz zieht. Die Saison ist noch nicht gelaufen, aber das Selbstvertrauen ist längst auf der A7 zwischen Heidenheim und Leverkusen liegengeblieben.