Wael mohya zerreißt sich zwischen dfb und marokko – em-ticket oder karriere-kreuz?
Wael Mohya steht vor der Entscheidung seines Lebens. Er darf Mittwoch für Deutschlands U 18 um die EM-Quali kicken – und könnte danach das Trikot wechseln. Der 17-jährige Offensivspieler von Borussia Mönchengladbach ist derzeit heißester Streitfall zwischen zwei Nationalverbänden.
Der DFB wirbt, der marokkanische Verband FRMF lockt. Beide wollen den Jungen, der in Mettmann geboren, in Mönchengladbach groß geworden ist und vor zwei Wochen beim 1:4 in München das jüngste Bundesliga-Tor der Klubgeschichte erzielte. Drei Länderspiele, zwei Treffer – und jetzt droht der Abgang.
Die qualifikation beginnt, der countdown läuft
Am Mittwoch trifft Deutschlands U 18 in der Gruppenphase auf Bosnien-Herzegowina, am Samstag folgt Israel, am Dienstag gastiert das Team sogar in Wien. Alles Spiele, die Mohya eigentlich als deutsche Zukunft feiern sollten. Doch die Konkurrenz sitzt nicht auf der Tribüne, sondern im WhatsApp-Chat. „Es gab schon Kontakt“, bestätigt Mohya dem kicker, „ich lasse mir Zeit.“
Zeit ist das, was der DFB nicht hat. Denn wer einmal in einem offiziellen FIFA-Wettbewerb für ein Land aufläuft, kann nicht mehr zurück. Ein Einsatz in der EM-Quali wäre die Unterschrift unter einen deutschen Pass, endgültig.
Die Verbandsschaltung ist längst aktiv: Marokkos Verbandsboss Fouzi Lekjaa nutzt jedes Tor, jede Gala des Teenagers als Argument. Die Wüste lockt mit Weltmeisterschaften, mit Hakimi, Mazraoui – und mit Startplätzen im Profi-Kader, die der DFB in der Altersklasse nicht bieten kann.

Gladbach liefert die bühne, der markt liefert das gezerre
Mohya spielte in dieser Bundesliga-Saison bereits zehn Mal, erlitt dabei keine Niederlage, wenn er auf dem Platz stand. Zwei Pokal-Einsätze, ein Tor in der Allianz Arena – Zahlen, die bei 17 Jahren lauter sind als jedes Statement. Sportdirektor Roland Virkus schützt ihn, Cheftrainer Gerhard Seilen verbannte ihn gegen Köln bewusst auf die Bank, um ihn vor Medienrummel zu schützen.
Doch der Rummel holt ihn trotzdem. Marokkanische Fans markieren ihn auf Instagram mit dem Atlaslöwen, deutsche Anhänger feiern ihn als „Gladbacher Musiala“. Zwischen den Zeilen seiner Antworten klingt ein Junge, der sich nicht festlegen will – weil er noch gar nicht weiß, wer er sein will.
Die Entscheidung fällt nicht in einem Presseraum, sondern irgendwann zwischen Eltern, Beratern und dem Gefühl, dazuzugehören. Der DFB kann nur hoffen, dass das EM-Ticket stärker zieht als die Wüste. Die Uhr tickt. Schon Mittwoch kann alles anders sein.
